Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Abschluss KV-Sozialwirtschaft

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitszeit, Gesundheit und Soziales on 1. April 2020 at 10:54

Umfaller auf ganzer Linie

In einer unbeachteten letzten Kollektivvertrags-Verhandlungsrunde hat die GPA-djp und die VIDA heute Nacht einem unglaublich schlechtem Kollektivvertrags-Abschluß für drei Jahre zugestimmt. Der Vorschlag der ArbeitgeberInnen hat sich nicht wesentlich von den Angeboten zu Jahresanfang unterschieden, die bereits einstimmig abgelehnt waren.

Die ÖGB-Gewerkschaften haben nun einen Kollektivvertrag für die kommenden drei Jahre unterschrieben, der schlechter kaum sein kann. Dieses Jahr gibt es magere 2,7 % Lohnerhöhung, nächstes Jahr 0,6% plus Inflationsabgeltung und 2022 nichts, dafür Arbeitszeitverkürzung von 38 auf 37 Stunden. Zusätzlich gibt es für jene die zwischen 16. März und 30. Juni direkt mit Menschen arbeiten, eine einmalige „Corona-Zulage“ in Höhe von 500,– Euro. Dies ist nicht nur unglaublich, da es sehr sehr niedrige Abschlüsse sind, sondern auch, da die „Arbeitszeitverkürzung“ im Jahr 2022 lediglich eine Stunde beträgt und somit zu keinerlei Entlastungen oder Neueinstellungen führen wird, sondern lediglich zu massiver Arbeitsverdichtung.

Das Schlimmste ist jedoch, daß die GPA-djp und VIDA sich auf drei Jahre hindurch ruhig stellen haben lassen! In einer historisch einmaligen Situation wo das öffentliche Wohlwollen und die Aufmerksamkeit auf die PflegerInnen und alle Angestellten im SWÖ-Kollektivvertrag gerichtet ist, jegliche Kampfmaßnahme für ordentliche Bezahlung und reale Arbeitszeitverkürzung auszusetzen ist erbärmlich und eine komplette Bankrotterklärung einer Gewerkschaftsbewegung, oder Kalkül von gelben Gewerkschaften. Niemals war die positive Stimmung und das Wohlwollen der gesamten Gesellschaft besser als die letzten 14 Tage. Die GPA-djp versteigt sich aber sogar zur Aussage „Ein Streik kann aber in der derzeitigen Situation nicht durchgeführt werden!

Ja wann denn sonst, wenn nicht jetzt! Bitte wie gehirngewaschen sind manche FunktionärInnen die wirklich nicht kapieren was Kampfmaßnahmen bedeutet!? Soviel zur individuellen Dummheit mancher ÖGB-GewerkschafterInnen. Strukturell bestätigt sich, was das WAS schon lange versucht zu vermitteln. Der von oben gegründete ÖGB ist dazu da um uns ArbeiterInnen zu befrieden, und um Arbeitskämpfe zu lenken. Für tatsächliche substanzielle Verbesserungen ist er kein adäquates Werkzeug. Die hierarchische Struktur erzieht die Menschen zur Passivität. Die ArbeitgeberInnen – auch zumeist SPÖ-Wichtigmenschen – können sich jedenfalls ins Fäustchen lachen, sie konnten die Corona-Krise perfekt für sich ausnutzen und eine der kämpferischten Bewegungen und Organisierungen für die kommenden drei Jahre komplett abdrehen!

Ein Umfaller auf ganzer Linie. Sofortige Wilde Streiks wären die einzig passende Antwort der Ausgebeuteten. Die momentane Stimmung in breiten Bevölkerungsteilen wäre dafür geeignet. Ansonsten sollen sich alle ihre allabendlichen Klatschereien einmagarier’n.

GPA-djp
VIDA
Komintern

Erstveröffentlichung am 1.4.2020 auf dem WAS-Blog, Kopieren mit Quellenverweis möglich.

  1. Das mit dem Ruhigstellen für ganze 3 Jahre ist wirklich ein Wahnsinn. Es wäre alles da:
    – selbstbewußte Belegschaften, die wissen, dass sie „systemrelevant“ sind
    – Erfahrungen im Arbeitskampf hätten auch schon einige (für Österreich sogar recht viele)
    – sie hätten einen starken gesellschaftlichen Rückhalt. Fast alle haben kapiert, was die Carearbeit leistet und wie wenig sie dafür erhält. Es ist klar, dass wir diese Leute brauchen und zu wenige da sind

    Auch wenn ich mich nicht anschließen kann, dass ein Streik jetzt sinnvoll wäre, wenn Covid-19 erledigt ist dann schon. Oder spätestens bei den KV-Verhandlungen 2021. Aber hallo, da war doch was…

    … Rücken krumm und Taschen leer, ÖGB danke sehr.

    • Natürlich wäre ein Streik jetzt sinnvoll. Streiks sind Kampfmaßnahmen, die weh tun müssen. Da geht’s um reine Kosten-Nutzen-Rechnungen der ArbeitgeberInnen. Was ist teurer, Forderungen erfüllen, oder aussitzen. Gerade momentan hätten die das in der Branche auf keinen Fall brauchen können! Und wie gesagt bei der momentanen solidarischen Stimmung in der Bevölkerung wäre da verdammt viel drinnen gewesen. Zumal die nicht nur grade der Wirtschaft 38 Milliarden nachwerfen, sondern angesagter Weise im „koste-es-was-es-wolle-Modus“ sind. Zusätzlich mit guter Kommunikation wäre in der Situation fast alles möglich gewesen. Aber leider ist der Organisierungsgrad halt so gering, …

      • Die solidarischen Stimmung in der Bevölkerung wäre flux Weg, wenn die ersten Todesfälle kommen, weil der Pfleger und die Ärztin wegen deines Streiks nicht im Spital sind.

      • Lieber sozialhackler!
        Geh Du weißt es doch besser! Erstens kann eine Streik niemals „mein Streik“ sein, sondern sowieso nur von den KollegInnen im Betrieb gemeinsam gemacht werden. Und zweitens ist jeder Streik im Sozialbereich immer mit Notdiensten für Lebensnotwendiges verbunden. Wie kommst Du auf die Idee daß es Todesfälle geben könnte?! Das ist doch genau diese Propaganda der ArbeitgeberInnen oder des Staates.

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