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Archive for the ‘Arbeitszeit’ Category

Selbstorganisierung bei Jugend am Werk

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitsrecht, Arbeitszeit, Gesundheit + Soziales, Solidarity on Juli 19, 2017 at 4:49 pm

Betriebsinfoblatt erschienen

Bei Jugend am Werk (JaW), einer der größten Einrichtungen in Österreich
zur Betreuung von Menschen mit Lernschwierigkeiten, haben Kolleg*innen
begonnen sich selbstzuorganisieren. Sie haben im Mai, anläßlich von
Teilbetriebsversammlungen, ein erstes Betriebsinfoblatt herausgebracht.
Ausgangpunkt war die schlechte Informationspolitik von der Leitung und dem
Betriebsrat – und gleichzeitig sich fortsetzende Verschlechterungen für
die Belegschaft und die Klient*innen durch Einsparungsmaßnahmen. Um im
Betrieb eine Diskussion dazu und Selbstorganisierungsprozesse anzuregen,
haben die Kolleg*innen das Infoblatt geschrieben, welches Ihr hier
runterladen könnt.

Da die Kolleg*innen teilweise auch im WAS organisiert sind, werden sie von
uns unterstützt. Beispielsweise haben wir das Flugblatt an über 70
Standorten in Wien verteilt, und mitgeholfen alle rund 1700 Beschäftigten
zu erreichen. Die Kolleg*innen sind über folgende Emailadresse direkt
erreichbar: bg-jaw at riseup.net („at“ durch“@“ ersetzten).

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Arbeitszeitreduktion – aber wie? Und vor allem: durch wen?

In Arbeitszeit, WAS heißt... on Oktober 4, 2014 at 12:12 pm

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Mittlerweile dringt eine zugegebenermaßen von Linken und GewerkschaftsaktivistInnen (noch?) nicht gerade massiv geführte Diskussion um eine allgemeine Reduktion der Arbeitszeit an die Oberfläche massenmedialer Wahrnehmung. Vielleicht ist diese Formulierung nicht ganz richtig: Die Frage nach einer Herabsetzung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich drängt sich nach den vielen Jahren der einseitigen Flexibilisierung, Rationalisierung, Prekarisierung, Reallohnkürzung und Verdichtung der Arbeitsprozesse auf der einen und Massenarbeitslosigkeit auf der anderen Seite derart logisch auf, dass es selbst mehr oder minder liberale Zeitungen wie die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ oder der österreichische „Kurier“ (27.9.2014, „Karriere“ S. 2-3) zum Thema machen. Vielleicht sind Burn-Out, zerbrechende Familien wegen ausufernder Arbeitszeiten und Zukunftsängste um den eigenen Nachwuchs ein auch in Zeitungsredaktionen bekanntes Phänomen.

Nach Jahren der steten Mehrbelastung und der Profitmaximierung auf Kosten der ArbeiterInnen und zuletzt auf Kosten ihrer Arbeitsplätze ist es keine radikal-gewerkschaftliche Forderung mehr, sondern eine Frage des durchschnittlich „gesunden“ Menschenverstandes, dass es auch wieder zu Entlastung der ArbeiterInnen durch Verteilung der Arbeitszeit und durch Erhöhung des durchschnittlichen Stundenlohns kommen muss. Irgendwann nützt auch nicht mehr die effektivste Werbemaschinerie zur Erzeugung künstlicher Bedürfnisse oder eingebaute Verschleißteile in Smartphones und digitalen Wegwerf-Autos was, um den Konsummarkt aufrechtzuerhalten, wenn sich das die Leute dank Arbeitslosigkeit einfach immer seltener leisten können, und noch dazu die Banken finanzkrisenbedingt immer seltener bzw. teurer Konsumkredite vergeben.

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ÖGB und SPÖ verliefen sich im Wald (wieder mal)

Der Österreichische Gewerkschaftsbund hat sich indes darauf versteift an einer anderen Front zu kämpfen. Der „politischen“. Da werden mit dem Koalitionspartner ÖVP lieber Spiegelfechtereien über etwaige Steuersenkungen ausgefochten. Dass diese deshalb auch so zahnlos und unrealistisch sind, dürfte den Spitzenfunktionären in ÖGB und SPÖ bewusst sein. Vielleicht hält es aber ein paar WählerInnen bei der Stange. Mit der Rettung der heimischen Banken (nicht nur der Pleite-Hypo!) haben sich die SP-Spitzen ohnedies jeglichen finanziellen Handlungsspielraum genommen. Und einmal mehr klargemacht: Die möglichst störungsfreie Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist unser oberstes und leider auch einziges Ziel.

Faymann hat durchaus glaubhaft in einem ORF-Interview gemeint, dass ihm die jüngste 8%-Schlappe der vorarlberger Landespartei weit weniger schlaflose Nächte bereitet, als die Maßnahmen die er zur Rettung der Banken zu setzen hatte (wiewohl das eine auch mit dem anderen zusammenhängen dürfte). Es ging ja schließlich darum eine Krise wie die der 1930er-Jahre zu vermeiden, wo der Totalzusammenbruch großer Banken die Massenarbeitslosigkeit erst recht vorantrieb.

Aus der Geschichte lernen ist ja mal kein schlechter Ansatz. Ist aber Bankenretten alles was die SPÖ aus der Geschichte gelernt hat? Selbst wenn wir wollten, können wir der Sozialdemokratie nicht bei ihrer Selbstabschaffung im Wege stehen… Was hält der ÖGB dagegen? Wie ein trotziges Kind will er dem lieben Staat nun weniger vom Lohn abgeben, weil der ja so schlecht damit gewirtschaftet hat. So als ob man/frau ihn so rückwirkend davor abhalten könnte das Geld in schwarze Löcher, oder genauer: auf die Konten von Spekulations-Investoren, geleert zu haben. Weil der Staat, wie Faymann sagt, folgerichtig alles Notwendige getan hat um ein in Implosion begriffenes Wirtschaftssystem vorm selbstverschuldeten Untergang zu retten. Von den Spätfolgen dieser Krise, wie etwa der Frage wie die Altersvorsorge (private oder staatliche) in gar nicht so unabsehbarer Zeit aufrechterhalten werden soll, wenn die Jungen heute nur mehr Scheißjobs oder gar keine bekommen und natürlich auch wenig bis nichts in die Kassen einzahlen mal ganz zu schweigen. Ja, da steckt ein toter Hund drinnen, der so sehr er auch zu stinken beginnt, nicht rauszukriegen ist.

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Zeit für Forderungen?

Der Eindruck, dass es darum gehen müsse den Unternehmern die Sache möglichst schönzureden wird aber auch manches Mal in der Diskussion um die Verkürzung der Wochenarbeitszeit geweckt. Auch hier werden immer wieder die vermeintlichen oder tatsächlichen Vorteile für die Unternehmer und den Konsummarkt ins Treffen geführt, die sich daraus ergeben würden, dass die Arbeitslosigkeit effektiver bekämpft, damit die öffentlichen Kassen entlastet und der Massenkonsum wieder angekurbelt und die ArbeiterInnen wieder motivierter an die Arbeit gehen würden.
Ja, das würde sich auch mancher Unternehmer wünschen – nur naturgemäß nicht auf Kosten seines eigenen Profits.
Die Frage, die sich daher alle VorkämpferInnen einer Arbeitszeitverkürzung stellen müssen: Wer sind unser wirklichen Verbündeten im Kampf um dieses legitime und sinnvolle Anliegen? Und wollen wir damit das gegenwärtige System aufrechterhalten, umgestalten oder überwinden?

UnternehmerInnen, die Jahre hindurch von der Verschärfung der Arbeitsbedingungen gelebt haben und nun krisenbedingt erkennen müssen, dass die Profitmaximierung nicht mehr so funktioniert wie noch vor ein paar Jahren? PolitikerInnen, denen die Erhaltung staatlicher Macht (weil Garant ihrer eigenen Macht) einzig wahre Religion ist, so sie nicht ohnedies ausschließlich im Interesse ihrer zukünftigen Arbeitgeber in der Privatwirtschaft agieren?

Die Wahrheit, dass die Interessen der ArbeiterInnen nicht die selben, ja meist auch nicht kompatibel mit den Interessen der Unternehmer und des Staates sind, diese Wahrheit ist den ArbeiterInnen zumutbar!

In das Vakuum, dass die Selbstaufgabe einer auf Sozialpartnerschaft ausgerichteten Zentralgewerkschaftsbewegung und Sozialdemokratie hinterlässt, können natürlich auch alternativgewerkschaftliche Strömungen stoßen, wie jene, die die 30 Stunden-Woche fordert. Sie darf aber nicht den Fehler machen, den etwa die Bewegung für die Forderung des „Bedingungslosen Grundeinkommen“ gemacht hat. Diese hatte ja nicht nur eine zusätzliche Vernebelungswirkung auf eine Linke, die sich faktisch völlig aus dem Kampffeld der Lohnarbeit zurückgezogen hatte. Es war eben auch bloß eine Forderung. An den Staat. An Parteien. An die „Sozialpartnerschaft“. Und wenn die dann einfach „nein“ sagen? Oder die Forderung so verwursten, dass daraus einfach ein „effizienteres“ Sozialhilfesystem wird?

Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer und Co. haben ohnedies schon mehrmals und mehr als deutlich gemacht, dass die „Wünsch-Dir-Was“-Zeit vorbei ist, so es sie jemals gegeben hat – und ÖGB und SPÖ haben das weitgehend vorbehaltlos akzeptiert. Also: realistisch werden!

5473162_BLD_OnlineEin bekanntes Beispiel aus Griechenland: Nach der Schließung eines staatlichen TV-Senders wurde dieser von der Belegschaft besetzt und weitergeführt

…oder für Kämpfe?

Es gibt nur einen Weg, damit die möglicherweise im Entstehen begriffene Bewegung für eine Arbeitszeitsenkung mit vollem Lohnausgleich substantieller sein kann als etwa jene für das „Bedingungslose Grundeinkommen“. Sie darf kein Appell an die Vernunft oder den good-will der Politiker und Wirtschaftsbosse sein, sondern sie muss da stattfinden, wo die Ausbeutung stattfindet. Die wenigen erfolgreichen Arbeitskämpfe in Europa der letzten Jahre waren vor allem solche Streiks und Betriebsbesetzungen bei denen die lokale Bevölkerung (unter ihnen natürlich auch Erwerbslose) aktiv miteingebunden wurden. Auch die vielen selbstorganisierten Kämpfe in den „Krisenländern“ wie Griechenland zeigen das Potential, dass selbst in unserer kaufgeilen, medial abgestumpften, verantwortungsdelegierenden und elektronisch überwacht und gelenkten Gesellschaft angesichts von Demoralisierung, Massenarbeitslosigkeit und Sozialkürzungen existiert. Die sukzessive Verelendung führt leider nicht automatisch zu Aufbegehren, aber es gelingt durch sie offenbar auch nicht den Willen der Menschen zur Selbstbestimmung tot zu kriegen.

DSC00489In der spanischen CNT-IAA gibt es schon länger die Kampagne für eine 30 Stunden Woche.

Direkte Aktion, und die propagieren wir AnarchosyndikalistInnen so unermüdlich, bedeutet, dass das Ziel so weit als gerade möglich auch in den Mitteln enthalten sein soll. Im konkreten Fall heißt das Ziel Arbeitszeitreduktion. Die Mittel beginnen bei der (kollektiven) Verweigerung von Überstunden. Führen über Teilstreiks, etwa bei ungeliebten Diensten (Tagesrandzeiten, Teildiensten, Wochenenden, Feiertagen…) zu wirklich unbefristeten Streiks. Bis hin zu Betriebsbesetzung und Kollektivierung der Produktion in die dann auch bislang Erwerbslose eingebunden werden. In solchen Kämpfen, und wahrscheinlich nie ohne sie, entwickeln sich reale Perspektiven heraus aus dem Schlemassel Namens Kapitalismus.

Der Kampf um Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung muss also v.a. in den Betrieb getragen werden, in die regulären, prekären, scheinselbstständigen Lohnabhängigkeitsverhältnisse. Es ist ein basisgewerkschaftlicher, kein sozialpartnerschaftlicher Kampf, der Erfolge bringen kann. Im Einzelfall genauso wie in der Gesamtheit der ArbeiterInnenschaft.

Wenn im Zuge dieses Kampfes Widersprüche mit dem herrschenden Wirtschaftssystem entstehen, dann kann auch die Einsicht entstehen, dass das Arbeiten zum Zweck der Profitmaximierung, ob 30, 42 oder 5 Stunden, an sich kein wünschenswerter Zustand ist. Die Einsicht, dass wir Bosse und Politiker, Staat und Kapital eigentlich nicht brauchen um zu leben.
Das wird nicht von alleine passieren und nicht von heute auf morgen, aber es ist realistischer als anzunehmen Politik und Kapital würden sich auf unser Flehen hin unser d´erbarmen. Und: Die Angst wir könnten irgendwann auf sie verzichten wollen, war bislang die einzige wirkliche Triebfeder für Sozialreformen „von Oben“.
Ob es uns gefällt, erfolgversprechend und mühsam erscheint oder nicht: wir, die ArbeiterInnen selbst müssen den Kampf um menschlichere Arbeitszeiten, -bedingungen und Bezahlung kämpfen.

Es rettet uns kein höh´res Wesen.

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12 Stunden arbeiten? In der Woche!

In Arbeitszeit on April 7, 2014 at 8:38 am

25h-clockEs ist nicht einmal ein Jahr her, dass der Sozialminister erklärte, es müsse darum gehen „Überstunden abzubauen und nicht durch 12-stündige Arbeitstage noch zu erhöhen.“  Mittlerweile darf es niemanden überraschen, dass die SPÖ wieder kurz davorsteht vor dem Koalitionspartner einzuknicken. Mit ein paar Spiegelfechtereien wird zwar noch um „Gegenleistungen“ gefeilscht, die aber weniger Nutzen für die Allgemeinheit der Werktätigen bringen würden, als vielmehr verdeutlichen wie weit der Wahnsinn der Arbeitskraftausbeutung schon längst fortgeschritten ist.

„Einem generellen 12 Stunden Arbeitstag, erteilt der Vorstand der Bundesarbeitskammer eine klare Absage“, (arbeiterkammer.at) tönt es aus der AK kämpferisch. Ein semantisches Kunststück. Der Satz könnte ja auch lauten: „Einem 12 Stunden Arbeitstag erteilt der Vorstand der Bundesarbeitskammer eine generelle Absage.“ Den Rest des Beitrags lesen »

AMS: Sinnlose Kurse? Die Sinnentleertheit ist ja ihr Sinn!

In Arbeitslosigkeit, Arbeitszeit on März 13, 2014 at 6:23 pm

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Mit der massiven Zunahme der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren können es immer weniger Betroffene einfach hinnehmen, wenn am Arbeitsamt, das eigentlich irgendwann mal dazu da gewesen sein soll Stellenangebote zu unterbreiten, so getan wird als ob ihre mindere Qualifikation an ihrer Situation schuld seien.

Das AMS bemühte sich immer wieder zu behaupten, dass seine Kurse durchaus einen Sinn hätten. Angeblich würden 180.000 von 300.000 KursteilnehmerInnen, also 60 Prozent, nach 6 Monaten einen Job bekommen. Zum einen sei mal angenommen, dass viele auch ohne diese „Massnahme“ einen Job gefunden hätten. Zum anderen haben diese Kurse durchaus einen Sinn, wenn auch nicht für den/die Arbeitslose.  Die Arbeitslosigkeit soll für den/die Betroffene/n so ungemütlich wie möglich werden, was in Zeiten wie diesen nur eine Konsequenz zulässt: Sich zu jedem Preis verkaufen zu müssen. Und das in der Regel in Arbeitsverhältnisse, die meist eine niedrigere Qualifikation voraussetzen als die vorangegangene Arbeitsstelle. Den Rest des Beitrags lesen »

8. März 2014 in Wien – Frauenkampftag

In Allgemeines, Arbeitszeit on März 10, 2014 at 10:54 am

Die Frauen des Wiener Arbeiterinnen und Arbeiter Syndikats waren auf der 8. März Demo mit Flyern und Transparent vertreten.

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Filmtipp

In Arbeitszeit, Kulturelles und Rezensionen on Februar 27, 2014 at 4:58 pm

„workers of the world relax“

The principle of continuous growth which
rule our economy have brought us here.
But is there a different path? 

What if we used our gains in productivity to
slow down ? We could work less and produce less.
It would also mean consuming less.

Dieser Film beschäftigt sich mit den Zusammenhang von Technologie, Effizienz, ökologischer und wirtschaftlicher Krise und Arbeitszeit. Dabei werden auch die als zeitgemäß und fortschrittlich verkauften Formen der „ökologischen“ Effizienz-Steigerung  kritisiert. Die Produktivität der ArbeiterInnen ist heute größer denn je, trotzdem oder gerade deshalb befinden wir uns in einer wirtschaftlichen Sackgasse. Der Film argumentiert, dass die Produktivität der ArbeiterInnen neue Technologien ermöglicht, die wiederum dazu verwendet werden, Arbeitskraft einzusparen. Die freigewordene Arbeitskraft wird aber nicht in Freizeit umgesetzt sondern dazu genutzt, neue Produktionszweige, neue Technologien, neue Organisationsformen zu entwickeln die wiederum die Produktionseffizienz steigern. Dies führt immer wieder zu Massenarbeitslosigkeit und zu einer immer höheren Vernutzung und Zerstörung von natürlichen Ressourcen. Statt dessen sollte die Arbeit unter allen aufgeteilt und die allgemeine Arbeitszeit gesenkt werden.

Der Film besticht durch die Einfachheit seiner Argumentation, auch wenn dadurch die Analyse etwas kurz kommt. Leider suggeriert der Film, dass die Senkung der  Arbeitszeit ausschließlich Aufgabe von Politikern sei. Das Subjekt der Veränderung ist also trotz des Titels offenbar nicht der/die ArbeiterIn selbst. Den Rest des Beitrags lesen »

Zum Verhältnis von Arbeitszeit und Produktivität

In Arbeitszeit on Februar 24, 2014 at 4:21 pm

Zum Einstieg in die Arbeitszeit-Diskussion ein Artikel aus der  Direkten Aktion 212 – Juli/August 2012 von Leon Bauer:

Freizeit als Rendite des Fortschritts –

Zum Verhältnis von Arbeitszeit und Produktivität

Sogenannter Sogenannter „Arbeiter-Chronometer“ mit Aufschrift „Wir wollen 8 Stunden zur Arbeit, 8 Stunden, um uns auszubilden, 8 Stunden, um auszuruhn!“, Ende 19. Jahrhundert. Foto: um.cx (flickr)

Er könnte so schön sein, der technische Fortschritt. Plackerei und Hunger würden der Vergangenheit angehören, und der Mensch hätte Zeit, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen – um einer höheren Kultur entgegen zu schreiten. Derlei hoffnungsvolle Utopien wurden sicherlich schon seit Anbeginn der Zivilisation geträumt. Bereits der griechische Philosoph Aristoteles schrieb über 300 Jahre vor Christus: „Wenn jedes Werkzeug auf Geheiß, oder auch vorausahnend, das ihm zukommende Werk verrichten könnte, wie des Dädalus Kunstwerke sich von selbst bewegten oder die Dreifüße des Hephaistos aus eignem Antrieb an die heilige Arbeit gingen, wenn so die Weberschiffe von selbst webten, so bedürfte es weder für den Werkmeister der Gehilfen noch für die Herren der Sklaven.“

Heute, wo die Technologisierung Ausmaße erreicht hat, die Aristoteles sich kaum vorzustellen vermochte, hält sich der utopische Optimismus in Grenzen. Der technische Fortschritt insbesondere der vergangenen hundert Jahre hat zu einem globalen Strukturwandel geführt, der nicht nur die Menschheit in eine instabile Gesamtlage versetzt, sondern auch deren lebensnotwendige Biosphäre an einen kritischen Punkt gebracht hat. Auch von einer Befreiung von Arbeit und Hunger kann kaum die Rede sein. Noch nie in der Geschichte lebten so viele Menschen in extremer Armut wie heute, noch nie waren so viele Menschen auf der Welt – mittlerweile deutlich über zwei Milliarden – proletarisiert. „Allein in Südkorea“, so Lucien van der Walt und Michael Schmidt, „gibt es gegenwärtig mehr Industriearbeiter als in der gesamten Welt des Jahres 1848, zu der Zeit, als Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunistische Manifest verfassten – und Industriearbeiter stellen nur ein Segment der Arbeiterklasse dar“. Den Rest des Beitrags lesen »