Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Feministischer Aktionstag am 12. Juni

In Feminismus, Historisch, Termine (vergangene) on 1. Juni 2021 at 18:14

15.00 bis 18.30 Uhr
Victor-Adler-Markt, Favoriten
Infostände/ Redebeiträge/ Theater/ Lieder/ Musik

19.00 Uhr Frauendemo

Das WAS ruft gemeinsam mit zahlreichen weiteren feministischen Organisationen heuer wieder zum Feministischen Aktionstag am 12. Juni auf, dem Tag bis zu welchem Frauen in Österreich gratis arbeiten – statistisch betrachtet – und wogegen wir gemeinsam kämpfen.
Wir WAS-Genossinnen werden mit einem WAS-Infotisch vor Ort sein. Wir freuen uns, Euch dort zutreffen!

Wir widmen dieses Jahr den Feministischen Aktionstag unseren Vorkämpferinnen der Pariser Commune (die sich heuer zum 150. mal jährt!) –
und wir kämpfen weiter!
Sprecherinnen und Aktivistinnen sind Frauen; alle sind willkommen;
solidarische Männer können unterstützende Arbeiten, Essen und Kinderbetreuung Vorort übernehmen.

Es rufen auf:
frauenstreik – was wiener arbeiterinnensyndikat – sozial aber nicht blöd – yeni kadin – feministische alleinerzieherinnen – adkh europäische frauenbewegung – skb sozialisitischer frauenbund – rotes frauenkomitee – frauenhetz – komintern – fz kommunikationszentrum für frauenlesbenmigrantinnenmädchen – wendo feministische selbstverteidigung – lesben gegen rechts – obra onebillionrisingaustria – aöf autonome österreichische frauenhäuser – bdfö bund demokratischer frauen ö – alevitische frauen in ö – pankahyttn – peregrina – plattform20000 frauen – fz unterstützungsgruppe zapas – global player – flowzone – und viele künstlerinnen


Aufruf zum Feministischen Aktionstag 12. Juni 2021

Frauen! Wehren wir uns, streiken wir, kämpfen wir gegen Patriarchat und Kapitalismus! Verändern wir gemeinsam die Welt!

Während vor einem Jahr Frauen als „Systemerhalterinnen“ beklatscht wurden und die herrschende Politik beinahe täglich mit leeren Worten verspricht, sich für die Interessen der Frauen einzusetzen, verläuft in Wahrheit eine große Ankündigung nach der anderen im Sand.
Umgesetzt wird nichts anderes als eine Politik auf dem Rücken des allergrößten Teils der Frauen.

Arbeitsrechte werden ausgehöhlt, Arbeitsbedingungen verschlechtert, der Druck und der Stress erhöht.
Gleichzeitig sind mehr als 500.000 Menschen erwerbslos und es sind vor allem wir Frauen, die von der steigenden Armut betroffen sind.

Für dauerhafte Arbeitslosengelderhöhung auf 80%! Für Gesundheitsschutz! Für Lohnarbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich!

Mehr und mehr soll die Kinderbetreuung auf die Schultern der Frauen abgeladen werden. Vor allem dann, wenn Kindergärten und Schulen schließen mussten und müssen, wird getan, als gäbe es keine anderen Lösungen. Langfristige Lösungen wie kleinere Schulklassen und besserer Gesundheitsschutz werden  ignoriert.

Sofortiger Ausbau des Gesundheits- und Bildungswesens! Für flächendeckende und kostenlose Kinderbetreuungsmöglichkeiten!

Gewalt gegen Frauen und Kinder steigt inmitten dieser Entwicklungen, vorangetrieben durch die Maßnahmen der herrschenden Politik, an. Kein Monat vergeht derzeit ohne Frauenmord. Dieses Jahr zählen wir schon 14 Morde – und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Keinen Schritt zurück im Kampf gegen Gewalt an Frauen!

Derzeit werden über 90 % der Krisenkosten von ArbeiterInnen gedeckt. Während die Krisenkosten noch Jahrelang auf den allergrößten Teil der Bevölkerung abgewälzt werden sollen, haben Großkonzerne Millionen“hilfen“ kassiert und steigern schon längst wieder ihre Gewinne.

Die KapitalistInnen sollen für die Krise zahlen!

Lassen wir nicht zu, dass diese Situation für weitere Angriffe genutzt wird.
Lassen wir nicht zu, dass Frauen die Kosten der Krise tragen müssen, und kämpfen wir gemeinsam für unsere Anliegen!
Schließen wir uns zusammen und gehen gemeinsam voran im Kampf gegen Patriarchat und Kapital.


Warum 12. Juni und warum Feministischer Raub-Aktionstag?

Das Koordinationstreffen der Frauenstreikkomitees ( im Juni 2019) hat den 12. Juni zum „Feministischen Raub-Aktionstag“ erklärt – für öffentliche Proteste und Aktionen anlässlich des „geschlechtsspezifischen Gesamteinkommensunterschied“ (GOEG).*
Der geschlechtsspezifische Gesamteinkommensunterschied beträgt in Österreich 44,9%! Mascha Madörin, feministische Ökonomin, hat in dem Artikel „Die große Ungerechtigkeitsmaschine“ (in AEP Nr.3/2017) die Prozentzahlen in Geldsummen berechnet. „Grob auf das Arbeitnehmerentgelt des Jahres 2014 umgerechnet verdienen Frauen in Österreich 46 Milliarden Euro weniger als Männer (…). Das jedes Jahr! Es entspricht ungefähr den gesamten Einnahmen des österreichischen Staates aus den Einkommens- und Vermögenssteuern oder dem 2,8 fachen der Staatsausgaben für Bildung“.
Wir nennen es Raub! – daher Raub-Aktionstag. Die 44,9% entsprechen, auf die Tage des Jahres berechnet, dem 12. Juni.

(*) Seit einigen Jahren berechnet das Statistisches Amt der EU, Eurostat, den geschlechtsspezifische Gesamteinkommensunterschied (GOEG – Gender Overall Earnings Gap), welcher die gesamte Einkommenslücke von Frauen in Vergleich zu Männern ausdrücken soll.
Österreich liegt mit 44,9 % EU-weit an 4. höchster Stelle (hinter NL mit 47%, UK, D mit 45,2% und vor der CH mit 44,2%).
Der GOEG beinhaltet nicht nur den (Stunden-)Lohnunterschied GPG (Gender Pay Gap) sondern auch die Einkommenslücke aufgrund des Arbeitsaufkommen der unbezahlten gesellschaftlichen (Versorge)Arbeit – den zu 2/3 Frauen leisten – und die Tatsache, dass Branchen, in denen mehrheitliche Frauen arbeiten, geringer entlohnt werden.
Und wir finden es wichtig unterschiedliche Lebensrealitäten von Frauen zu begreifen, u.a. „dass 46 % aller Arbeitenden, im Besonderen Migrantinnen und Alleinerzieherinnen und 3/4 aller Frauen als Reinigungskräfte, Kassiererinnen, Friseurinnen und Kosmetikerinnen von ihrem Einkommen NICHT eigenständig leben können … und später nicht von der Pension“ (aus: Frauenstreik-Flugblatt).

Veröffentlicht am 01.06.2021 am WAS-Blog. Kopieren mit Quellenverweis möglich.

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