wiener arbeiter*innen syndikat

Interview mit den Brighton Hospitality Workers

In Gastronomie on Februar 4, 2016 at 12:45 pm

In Brighton/UK macht nun seit einiger Zeit eine anarchosyndikalistische Initiative von sich reden, die es geschafft hat durch Beharrlichkeit und Ausdauer für zahlreiche Arbeiter*innen im Gastgewerbe/Hotelerie Verbesserungen oder Entschädigungen durchzusetzen. Wir sprechen mit einem langjährigen Aktivisten der Solidarity Federation (SolFed) Brighton.

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Wann hat sich die Brighton Solidarity Federation gebildet, wieviele Leute waren daran beteiligt?

Wir haben uns 2007 zusammengetan und waren 6 Mitglieder.

Wie habt Ihr Euch entschieden den gewerkschaftlichen Schwerpunkt der lokalen SolFed-Gruppe auf „Hospitality“ (Gastgewerbe/Hotelerie) zu legen? Waren Mitglieder in dieser Branche beschäftigt?

Unser Interesse war den zahlreichen Anfragen und Unterstützungsgesuchen von Betroffenen aus dieser Branche geschuldet. Uns wurde bald klar, dass viele Arbeiter*innen in diesem Bereich wenig Bewusstsein für ihre Rechte hatten. Und dass die Bosse in der glücklichen Lage waren, das ausnützen und die hauptsächlich migrantischen Arbeiter*innen noch leichter ausbeuten zu können.
Die wiederkehrenden Themen sind dabei vor allem Bezahlung unter dem Mindestlohn, Lohndiebstahl, fehlende schriftliche Arbeitsverträge, Unsicherheiten wegen uneindeutiger Zeitvereinbarungen, kein Urlaubs- oder Krankengeld, Schikanen und Belästigung durch Vorgesetzte.
Brighton ist die beliebteste Urlaubsdestination im UK und das Gastgewerbe sein zweitgrößter Wirtschaftsbereich. Darüber hinaus sind viele Menschen aus London und anderen Orten hierher gezogen wegen dessen Ruf eines aufregenden sozialen Lebens – zumindest für jene die es sich leisten können, daran teilzunehmen.
Als wir die Brighton Hospitality Workers (BHW) formiert haben machten wir an Samstagen Infostände, wo wir über Arbeiter*innenrechte informiert haben oder besuchten Arbeitsorte von denen uns immer wieder einschlägige Berichte erreichten.
Auch haben uns Anfragen von spanischen Migrant*innen erreicht, die wegen ihrer ökonomischen Situation nach Brighton gekommen waren um im Niedriglohnsektor Arbeit zu finden. Sie haben eine Affinitätsgruppe gebildet und viele von ihnen hatten bereits Erfahrungen in Arbeitsplatzkämpfen, so waren auch Mitglieder der CNT-E (der spanischen anarchosyndikalistischen Gewerkschaft) darunter.

Wieviele Mitglieder habt ihr? Gibt es Mitglieder, die Euch unterstützen aber weniger aktiv involviert sind?

SolFed Brighton hat eine Mitgliederfluktuation bei etwa 20-25 Leuten. Nicht alle von ihnen sind notwendigerweise in der Hospitality-Kampagne involviert, auch wenn SolFed Brighton die Aktivitäten koordiniert und dabei auch Leute aus anderen Branchen…

…koordinative Tätigkeiten einnehmen. Unser Ziel ist aber schon, dass die Brighton Hospitality Workers (BHW) eine ausschließlich von Gastgewerbe-Arbeiter*innen getragene selbstständige Gewerkschaft wird. Es ist umgekehrt aber keine Bedingung auch in der SolFed Brighton Mitglied zu sein um bei den BHW´s mitwirken zu können. So haben wir über 100 Kontakte in einer einschlägigen E-Mail-Liste und machen wöchentlich für alle Interessierten offene Treffen zu dem Thema.
Wir haben aber auch ein Health & Social Care- Network (Gesundheits- und Sozialarbeit) und Koordinator*innen für interne Bildungstätigkeit, Propaganda, Soziale und Industrielle Aktion, Kassa/Mitgliedschaften genauso wie einen Allgemeinen Koordinator.
Da im Moment die SolFed Brighton das Mandat des landesweiten Föderationssekretariats und der SolFed-Webseite hat, sind die meisten Mitglieder mit ihren verschiedenen Rollen voll ausgelastet.
Allerdings stellen die Aktivitäten der Brighton Hospitality Workers einen besonderen lokalen Schwerpunkt dar – wie neue Kontakte knüpfen, Forderungspapiere verfassen, „pickets“/Protestkundgebungen organisieren, Plakate und Flyer verbreiten.

Hat sie die Struktur Eurer lokalen SolFed-Gruppe durch die Kampagne verändert?

Ja, seitdem wir begonnen haben, haben wir mehr Struktur entwickelt – und seit unserer Jahreshauptversammlung 2014 haben wir diese jetzige Struktur beibehalten – zweimal pro Woche Beratungsstunden, wöchentlicher Journaldienst und Plakatieren/Flyern, samstags Stände, Email-Liste, Präsentationen, regelmäßigen Newsletter. Und Aktionen natürlich.

Habt Ihr ein merkbares Wachstum verzeichnen können durch die Kampagne, gab es mehr Zugänge als Leute die wieder gegangen sind?

Ja, es sind mehr Leute Mitglied der Ortsgruppe geworden – als direkte Reaktion auf die BHW – als ausgetreten sind. Wobei die Anzahl, bedingt durch den vorübergehenden Charakter der Arbeit und des Wohnens in Brighton, fluktuiert. Die BHW haben definitiv die Präsenz der Brighton SolFed in der Stadt und darüber hinaus gesteigert.

Wie lange dauerte es bis die Kampagne wirklich zum Laufen kam und die Leute darauf ansprangen? Hattet ihr eine Deadline? Wie lange hättet ihr es versucht?

Als die BHW (Brighton Hospitality Workers) im Oktober 2013 entstand hielten wir ein offenes Treffen in einem Sozialzentrum ab, wo wir heute ein Büro haben und machte das in der ganzen Stadt publik, vor allem in den Ecken mit viel Gastgewerbe. Außerdem kombinierten wir die Kampagne mit unserem wöchentlichen Samstags-Treffen und nutzten es als eine Gelegenheit für Arbeiter*innen auf uns zuzukommen. Außerdem machten wir Propaganda in lokalen Unternehmen und führten Gespräche mit Arbeiter*innen.
Zu unserem ersten Treffen kamen 12 Teilnehmer, darunter SolFed-Mitglieder, und zwei Koordinatoren, die uns dabei halfen. Wir vereinbarten monatlich offene Treffen abzuhalten, doch als sich unsere Aktion herum sprach entschieden wir uns bald zu wöchentlichen Treffen um der Nachfrage der betroffenen Arbeiter*innen gerecht zu werden. Dabei gaben wir eine Beratung für Arbeitsrecht, diskutierten und führten Auseinandersetzungen mit den Betroffenen.
Durch die steigende Zahl der zu uns Kommenden und als wir anfingen Resultate zu erzielen und uns komplexeren Fragen zu stellen, entschieden wir uns zusätzlich nach den wöchentlichen Treffen offene Treffen zu organisieren, bei denen Arbeiter*innen und SolFed-Mitglieder Erfahrungen austauschen können und nach kollektiven Lösungen suchen. Dieses Modell hat sich bis jetzt bewährt.
Für die Kampagne haben wir uns nie wirklich eine Frist gesetzt, aber aus vorangegangenen Erfahrungen rechneten wir mit zwei bis drei Monaten bis die Treffen gut besucht oder Kontakte aufgebaut wären. Unseren ersten Arbeitskonflikt gewannen wir im Jänner 2014, als wir unsere Forderungen und Flugblätter in einem Hotel verteilten, das Löhne von einer Haushälterin einbehielt, die auch SolFed-Mitglied ist. Unser Zuwachs ging fast unmittelbar von da aus.

Gibt oder gab es Momente des Zweifels?

Wir hatten einen 4 monatigen Konflikt mit einem Cafe, während die ehemaligen Arbeiter*innen schon nach Spanien zurückgekehrt waren und es war schwierig den Kampf ohne die betreffenden Personen aufrecht zu erhalten bzw. Forderungen in deren Namen zu transportieren. Weniger ein Moment des Zweifels als eher ein Bewusstwerden der eigenen Grenzen.
Abgesehen davon gibt es keine Zweifel.

Arbeitet ihr mit anderen Gruppen zusammen? Wie ist eure Beziehung zu anderen Gruppen?

Wir wurden von der IWW (Industrial Workers of the World) kontaktiert, die in Manchester eine Gastgewerbegruppe aufbaut. Wir werden regelmäßig gefragt ob wir Präsentationen oder Workshops bei lokalen Veranstaltungen machen können, die von Anti-Austeritäts-Gruppen (Gruppen gegen neoliberale Sparpolitik) organisiert werden. Und wir haben bereits Präsentationen bei Veranstaltungen von lokalen SolFed Gruppen im ganzen Land gemacht, wie auch bei anarchistischen Buchmessen in London und Belfast.

Hat eine von den etablierten TUC- Gewerkschaften (bürokratisch, zentralisierte, sozialpartnerschaftliche Gewerkschaften analog ÖGB) oder eine von den unabhängigen Gewerkschaften auf eure Kampagne reagiert?

Wir wurden von Repräsentanten der größten Gewerkschaft im Dienstleistungssektor Unison, angesprochen die in Zusammenarbeit mit anderen linken Gruppierungen mit einer Propagandakampagne und Flugblätterverteilen an Arbeitsplätzen die Brighton Hospitality Workers nachahmen wollte. Nach einem gemeinsamen Treffen entschlossen wir uns nicht mit ihnen zusammen zu arbeiten, da es den Anschein hatte, sie wären nur daran interessiert, dass die Arbeiter*innen ihrer Gewerkschaft beitreten bevor sie selbst aktiv werden würden – geschweige denn jemals zu Direkter Aktion zu schreiten.

Was hat einfach funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten?

Was gut funktioniert hat ist die Situation: Arbeiter*innen treffen/ die Berechnung ausstehender Geldbeträge/ Forderungsbriefe mit den Arbeiter*innen/ Kundgebung/ Flugblatt & Kommunikationsblockade wenn die Forderung nicht fristgerecht erfüllt wurde. Wir hatten in praktisch jedem Konflikt Erfolg und haben bis jetzt Arbeiter*innen darin unterstützt insgesamt rund £22.000 zurück zu gewinnen.

Trotzdem es gibt weiterhin Schwierigkeiten oder Herausforderungen. Die wichtigste davon ist die, daß die meisten der Leute die zu uns gekommen sind ehemalige Erwerbstätige sind, die Lohnforderungen stellen nachdem sie gefeuert wurden oder ihren Job verloren haben. Nicht dass das ein Problem an sich wäre, da Klagen ehemaliger Erwerbstätiger nicht weniger wichtig sind. Aber wir kämpfen darum, Fuß an den Arbeitsplätzen zu fassen, indem Arbeiter*innen sich gemeinsam innerhalb ihrer Rahmenbedingungen organisieren.
Es gibt erwähnenswerte Ausnahmen– z.B. eine starke SolFed-Sektion in einem Hostel, die eine Vielzahl gemeinsamer Forderungen gegenüber dem Management gewonnen hat. Eine andere SolFed-Sektion gab es in einem Catering-Unternehmen, die eine Zeit lang organisiert hatte obwohl den Organisator*innen schriftliche Verwarnungen gegeben und mit Rausschmiss gedroht wurde.

Diese verhältnismäßige Schwierigkeit beim Bilden von Sektionen an verschiedenen Arbeitsplätzen hat den Hauptgrund darin, dass es für vereinzelte Arbeiter*innen oftmals schwierig ist, die Probleme die sie erfahren als gemeinsame Angelegenheit zu begreifen. Was aber notwendig wäre um Schikanen und Belästigung am Arbeitsplatz effektiv zu begegnen. Das ist war ein wiederkehrendes Problem – aber schwer von außen lösbar.

Eine weitere Einschränkung war die allgemeine Unfähigkeit über das Stellen rechtlicher Forderungen hinaus zu gehen. Mit anderen Worten, die Boss – Arbeiter*in-Beziehung am Arbeitsplatz umzukehren.
Natürlich, die Unterstützung von Erwerbstätigen, oder häufiger: ehemaligen Erwerbstätigen, Forderungen gegenüber dem Management durchzusetzen kehrt kapitalistische Beziehungen insofern um indem die Arbeiter*innen das Sagen haben und die Kontrolle über ihre Umstände übernehmen. Aber wir würden gerne mehr Arbeitsplatz-Militanz sehen.
Es hat Fortschritte in diese Richtung in den beiden erwähnten Betriebsgruppen gegeben. Aber wie gesagt: der Mangel an einer Vielzahl von Arbeitsplätzen Fuß zu fassen, wo es gelingt, dass Arbeiter*innen gemeinsam das Management von sich selbst heraus angreifen können, ist eine Herausforderung.

Was habt Ihr aus der Kampagne gelernt? Hat sich die Kampagne im Laufe der Zeit verändert?

Bei einem Rückblick der BHW auf einem unserer Treffen haben wir den Mangel an Organisierung und Militanz am Arbeitsplatz und die Beschränkung, nicht über rechtliche Forderungen hinauszugehen diskutiert.
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es für einzelne Arbeiter*innen die von außen an uns herantreten schwer ist, einen militanteren Standpunkt einzunehmen oder über rechtliche Forderungen hinauszugehen, wenn sie normaler Weise nicht mit so etwas zu tun haben. Wir müssten unsere Propaganda ändern, um dieser Problematik gerecht zu werden.

Es versetzt Arbeiter*innen ohne kollektive Unterstützung am Arbeitsplatz in eine prekäre Position wenn wir zu viel von ihnen verlangen. Wir sind uns einig, dass Arbeitsplatz-Militanz vorerst am besten durch SolFed-Mitglieder selbst gefördert wird, die sich an ihrem eigenen Arbeitsplatz organisieren. Und, wie oben erwähnt, haben wir ein paar Fortschritte in Richtung SolFed-Präsenz am Arbeitsplatz gemacht.
Wir schlagen betroffenen Arbeiter*innen immer vor, ihre Probleme und Forderungen an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu kollektivieren. Oder, falls sie ehemalige Angestellte sind, ehemalige Kolleg*innen zu kontaktieren, in der Hoffnung sie in Kampagnen zu involvieren.

Wie war es für Mitglieder die Jobs in anderen Branchen haben an der Kampagne für Gastgewerbearbeiter*innen mitzuwirken?

Wie Ihr Euch denken könnt, haben neben Gastgewerbearbeiter*innen auch Arbeiter*innen, Student*innen und Arbeitslose an der Kampagne und den Aktionen mitgewirkt. Die Missstände denen die Gastgewerbearbeiter*innen ausgesetzt sind, sind der Art eklatant – und meist auch ungesetzlich -, dass wir denken, dass die meisten Menschen sie erkennen und mit den Betroffenen mitfühlen können. Wir haben das immer wieder auf BHW-Aktionen und Treffen erlebt. Außerdem ziehen wir keine Linie zwischen Gastgewerbe-Arbeiter*innen und Unterstützer*innen aus anderen Branchen die sich an uns wenden.

Wenn Ihr eine Aktion macht, eine Kundgebung („picket“) vor einer Firma oder eine Demonstration z.B., welche Reaktionen bekommt Ihr von Passant*innen, von den Chefs, von den anderen Arbeiter*innen des Betriebs?

Passant*innen sind generell unterstützend, besonders wenn wir Details des betreffenden Falles schildern. Bei längeren Konflikten schaffen wir es meist viele Leute zu den pickets hinzumobilisieren. Die Leute kommen dann oft später wieder um zu sehen, ob die Arbeiter*innen bereits von ihrem Boss ausbezahlt wurden oder um sich neuerlich unserm picket anzuschließen.
Nichtsdestotrotz gab es auch schon Konfrontationen mit Chefs, die Ihre Geschäftsfreunde oder „Stammkunden“ dazu angestiftet haben uns verbal anzugreifen. In zumindest zwei Fällen wurde offensichtlich, dass ein Boss Leute angeheuert hatte um uns in Auseinandersetzungen zu verwickeln bzw. zu aggressivem Handeln zu provozieren. Wir waren aber nicht dumm genug, darauf hereinzufallen. Wir haben einen Filmmacher, denn wir immer dann kontaktieren, wenn es zu Eskalationen oder Zwischenfällen mit Chefs, ihren Verbündeten oder der Polizei kommen könnte. Im Normalfall versuchen aber Bosse meist ihre Arbeiter*innen oder früheren Arbeiter*innen einzuschüchtern, auch weil sie deren persönlichen Daten haben.

Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen von anderen Gastgewerbearbeiter*innen, viele lassen ihre Adresse auf unsere email-Liste setzen, wenn sie einmal gesehen haben was wir machen.

Kannst Du eine typische Aktion der BHW beschreiben?

Das hängt ganz vom Stadium und der Örtlichkeit des Konflikts ab.

Ein typischer Konflikt sieht folgend aus:
– Eine oder mehrere betroffene Arbeiter*innen gehen zusammen mit 2 bis 3 Unterstützer*innen zum Chef und geben ihm einen Forderungsbrief in die Hand.
– Wenn dieser innerhalb einer Deadline die Forderungen nicht erfüllt hat gehen wir noch einmal zu dritt zu ihm und stellen neuerlich die Forderungen bzw. geben ihm die Gelegenheit zu einem letzten Gespräch. Ein potentielles picket wartet derweilen vor dem Geschäft/Lokal mit Flugblättern um loszulegen.
– Wenn die Forderungen nach der etwas kleineren Anfangskundgebung, einer Hand voll Leute, immer noch nicht erfüllt worden sind kommen wir an einem anderen Tag zurück. Versuchen die Kund*innen des Geschäfts direkt zu informieren, in dem wir ihnen Flugblätter aushändigen, wir verlassen aber das Lokal bevor die Polizei gerufen wird bzw. eintrifft. Dann versuchen wir den Konflikt dahingehend zu eskalieren, dass wir immer mehr Leute hin mobilisieren, wenn das notwendig ist.
– Wir setzen dann mit den pickets fort, zumindest einmal wöchentlich und versuchen sie größer zu machen, je länger der Konflikt dauert.
– Wenn dies alles nichts nützt kommen andere Formen des Eskalation hinzu: Wir nützen nun social media, Internet-Reiseplattformen wie TripAdvisor u.ä. dazu, mit negativen Kommen-taren auf die Praxis des Unternehmens hinzuweisen. Die Kommunikation des Unternehmens wird gestört.

Nicht alle Konflikte verlaufen so, aber es ist ein Standardprozess. Wir haben auch andere Formen der Eskalation in unserm Repertoire – wie den Konflikt durch andere lokale Solfed-Sektionen oder auf befreundete Organisationen in anderen Ländern auszuweiten. Es gibt auch andere Formen der direkten Aktion wie das Bestellen von Waren ohne sie entgegenzunehmen, um zu zeigen, dass Kund*innen das Verhalten des Unternehmens mitbekommen haben.

In einigen wenigen längeren Konflikten haben wir auch lokale Zeitungen involviert, manchmal sind wir auch von diesen angesprochen worden, es wurden uns auch gewisse Sympathien entgegengebracht. Wir machen das natürlich immer mit dem Bewusstsein, dass unsere Aussagen in deren Beiträgen verdreht oder wir negativ dargestellt werden könnten.

Hat es Repressalien seitens der Polizei oder Gerichte gegeben?

Die Polizei war bei so gut wie jedem picket dabei, die wir abgehalten haben. Normaler Weise wird sie durch den Boss gerufen. Aber sie hat bislang keine Drohungen ausgesprochen und keine Verhaftungen durchgeführt, und sind normaler Weise nach zehn Minuten wieder gefahren.
Wir sind uns bewusst, dass wir keine Kund*innen belästigen oder physisch davon abhalten können ein Geschäft zu betreten, und so verstoßen wir gegen kein Gesetz. Die Polizei kann wahrscheinlich größere Kundgebungen aus Gründen der öffentlichen Ordnung auflösen – aber sie haben das bis jetzt nicht gemacht. Sie haben auch größerer pickets gefilmt, aber bis jetzt ohne weitere Konsequenzen.
Bosse rufen schon mal die Polizei, wenn wir mit eine*r Arbeiter*in das Betriebsgelände betreten um einen Forderungsbrief zu hinterlassen. In solchen Fällen gehen wir nach der Aushändigung des Briefes wieder raus.
Wir mussten noch nie vor Gericht aber uns wurde von Bossen aus verschiedenen Anlässen mit rechtlichen Konsequenzen gedroht – auch bei einem aktuellen Konflikt. Wir sind uns bewusst, dass das an irgendeinem Punkt wahrscheinlich passieren wird.

Welche Pläne habt Ihr für die Zukunft?

Weiterhin Arbeiter*innen zu unterstützen ihre Forderungen erfolgreich durchzusetzen. So viele Leute wie möglich einzubinden. Aufgaben in der Organisation gleichmäßiger zu verteilen. Unser Profil weiter zu schärfen. Wie oben erwähnt hoffen wir auf mehr Kollektivität am Arbeitsplatz. Wir hoffen auf das Entstehen von mehr SolFed-Sektionen und Mitglieder, die sich an ihrem Arbeitsplatz organisieren. Kurz gesagt: Mehr Kollektivität und Kampfbereitschaft am Arbeitsplatz.

Haben andere Gruppen Eure Methoden übernommen?

SolFed-Gruppen in anderen Orten wenden die Methoden an wenn es ihnen notwendig erscheint, und wir geben ihnen Ratschläge diesbezüglich. Um ehrlich zu sein, haben wir bislang vor Ort noch keine Gruppe wahrgenommen, die unsere Methoden übernimmt, wir bekommen jedoch sehr viel Interesse von außerhalb bekundet.

Weitere Beiträge zu den Brighton Hospitality Workers
Artikel 28.12.2014

Artikel 30.5.2015

Links
Brighton Hospitality Workers

SolFed Brighton

Aktion der BHW (youtube)

Aktion der BHW (youtube)

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