wiener arbeiter*innen syndikat

WAS heißt wilder Streik

In WAS heißt... on Januar 6, 2016 at 5:51 pm

wilder streikEs gibt zwei Arten von Wildem Streik: Die „Kann passieren“-Variante und die „Darf nicht wahr sein“-Variante. Wer hat nicht schon einmal von einem Wilden Streik der Variante „Kann passieren“ geträumt? Stell dir vor, es gibt wieder eine Ungerechtigkeit am Arbeitsplatz. Kolleg*innen sagen, sie werden etwas nicht tun, weil es zu gefährlich ist und sie werden auf der Stelle entlassen. Du schaust dich um: Machen die anderen Kolleg*innen etwas? Der Traum: Ein Wilder Streik. Arbeitsverweigerung bis unser*e Kolleg*innen wieder da sind und die gefährliche Arbeit besser gesichert ist. Aber Angst ist ein starkes Zeug. Du willst auch nicht gefeuert werden. Wenn ein*e andere*r es zuerst machst, bist du sicher dabei, aber als allererste*r lieber nicht… Und so passiert es doch nicht… Die „Kann passieren“-Variante ist nicht zu Stande gekommen. Alle warten bis wirklich jemandem etwas passiert oder auf die nächste Ungerechtigkeit. Ein Wilder Streik der Variante „Kann passieren“ kann dennoch passieren: Wenn die Mitarbeiter*innen zuerst darüber sprechen, sich gegenseitig versprechen, ja, nächstes Mal erlauben wir das nicht. Es ist zwar selten, aber ja, es kann passieren. Aber nachher braucht man wirklich Solidarität, weil die Chefs sicher nach der*m Anstifter*in suchen werden. Eine*r nach der*m anderen muss zum Meeting mit dem Chef und seinen plötzlich sichtbaren Human Ressource Consultants. Da wirst du hören, dass es doch Fehler gegeben hat, dass es aber in Zukunft viel besser wird, dass, wenn du Probleme hast, du doch direkt mit dem Chef sprechen solltest und auf keinem Fall mit diesen Anarchist*innen, die von außen gekommen sind… Das können wir alles unter uns regeln… Wir sind doch eine Familie… Bla bla bla…

Ironischerweise passiert die „Darf nicht wahr sein“-Variante viel öfter. Oder zumindest in Österreich in den 1970ern und 1980ern hat es sie öfter gegeben und in den 1990er noch ein paar Mal. Eine Zeit lang waren Wilde Streiks der Variante „Darf nicht wahr sein“ die einzigen Streiks in Österreich. Denn wenn die Belegschaft in Österreich streikt, ist es sehr selten, dass der ÖGB zustimmt. Und wenn der ÖGB ihn nicht anerkennt, gibt’s ihn auch nicht. Keine Berichte, keine Medienpräsenz, kommt nicht in die Statistik… Es darf einfach nicht wahr sein. Trotzdem passieren solche Wilden Streiks und trotzdem sind sie oft erfolgreich. Es passiert meistens so: Der ÖGB verhandelt falsch und berichtet nicht über die Verhandlungen. Sogar der Betriebsrat ist oft unzufrieden. Die Leute streiken. Vielleicht macht der ÖGB jetzt doch mit? Naja, erst wenn es erfolgsversprechend zu sein scheint, dann vielleicht. Es hilft, wenn es eine ausländische Firma ist. Sogar wenn ein Streik anerkannt wird, wird oft vom ÖGB versucht ihn abzubrechen. Zum Beispiel beim Graz-Köflacher Bergbau Zangtal, 1988, hat die Belegschaft einfach weiter gestreikt, obwohl der ÖGB es nicht mehr unterstützt hat. Der Metaller-Sekretär ist zur Grube gegangen und wurde wieder weggejagt. Es ist nicht immer so – muss man zugeben, z.B. 2011 wurde doch unter den Metallern im Österreich gestreikt, aber normalerweise wird der Druck irgendwie durch Demos abgeschwächt .

Im Buch „Wilde“ Streiks in Österreich“ von Ferdinand Karlhofer gibt’s was zum lesen über die 1970er, und Berichte aus den Jahren danach gibt’s auch, meistens aus Marxistischer Sicht. Vielleicht denkt man, naja, die sind im Bergbau oder in der Fabrik, so ist es nicht bei mir wo ich arbeite. Aber wenn es in solchen Großbetrieben möglich war, muss es auch bei kleineren Firmen möglich sein.

Es muss nicht immer Streik sein. Viele Arten Direkter Aktion können etwas bewegen. Um die Angst zu überwinden und die Solidarität aufzubauen, ist eine kämpferische, basisdemokratische Gewerkschaft der beste Weg – und das findet man nur außerhalb des ÖGB.

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