Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

WAS-Rede zu prekären Arbeitsverhältnissen auf der Seamox-Kundgebung am 18.3.2021

Der Wiener Wirtschaftskrimi, wegen dem wir schon zum dritten Mal hier stehen, ist ein perfektes Beispiel für das, was man Klassenkampf von oben nennt. Es handelt sich hier um undurchsichtige, sogenannte flexible Beschäftigungsverhältnisse, wo man als Arbeiter und Arbeiterin scheinselbstständig bei einem Subunternehmen eines Subunternehmes eines Subunternehmes und so weiter angestellt ist, keine fixen Arbeitszeiten hat, über Landesgrenzen arbeitet und im Endeffekt in einem riesigen Netz an schirchen und perversen Ausbeutungsstrukturen steckt, bei dem die Arbeit zwar gemacht wird, aber niemand für die Bezahlung zuständig ist.

Am einen Ende steht das Mutter-Unternehmen und profitiert davon, am anderen Ende steht die arbeitende Person und leidet darunter. Diese Praxis findet sich heute überall. Heutzutage gibts keine fixen Anstellungsverhältnisse mit genauen Arbeitszeiten mehr, alles ist verschwommen, ausgelagert, undurchsichtig und mit einem Wort: schirch. Das erschwert natürlich die gewerkschaftliche Organisierung enorm, weil man vereinzelt arbeitet und sehr schwer zu der Person findet, die einen eigentlich bezahlen sollte. Wenn man das mal alles durchdenkt, kommt man darauf, dass dieses ganze System nur darauf aufbaut, dass die Leute so tun als würden sie was können, die Konsumenten so tun als hätten die ewig gleichen Produkte irgendeinen neuen Wert, die Chefetagen so tun als würden sie uns bezahlen und die Politik schlussendlich so tut als würde sie irgendwas dagegen machen. Das ähnelt der sowjetischen Bürokratie, am Ende ist niemand für irgendwas zuständig.

Das fängt schon in der Schule an, wo einem gesagt wird, man soll bei Bewerbungen lügen und übertreiben, so tun als würde man was können, damit der Arbeitgeber zufrieden ist – der schaut ja nur auf das, was am Zettel steht. Dann arbeitet man nicht fix, sondern im Rahmen eines Ferialpraktikums, eines unbezahlten Pflichtpraktikums etc. wo man brav Berufserfahrung sammeln darf, die einem nix bringt weil die Arbeit sinnlos ist. Dabei tut man so als würde man irgendwas machen, nur um seine flexiblen Stunden zu füllen. Ich persönlich weiß von einem Fall, der ebenfalls im IT-Gewerbe war, in dem der Arbeitgeber 10-20 Ausschreibungen für unbezahlte Pflichtpraktika gemacht hat, dann im Bewerbungsprozess schon unbezahlte Arbeit verlangt hat und die Leute dann bis in die Nacht hat arbeiten lassen, weil er immer mehr Aufgaben erteilt hat. Aber wenigstens keine fixen Arbeitszeiten…

Diese künstliche Bürokratie ist ein ekelhafter Ausbeutungsmechanismus der Chefetagen und sonstigen Blutsauger. Heute stellen wir diesem Klassenkampf von oben unseren Klassenkampf von unten entgegen!