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Archive for the ‘Arbeitsrecht’ Category

Von der Arbeiter*in zur Kapitalist*in – und plötzlich arm

In Arbeitsrecht on September 30, 2018 at 5:42 pm

Seit 2003 gibt es in Österreich eine verpflichtende Einrichtung im Sozialversicherungsrecht, die aus allen Arbeitenden kleine Kapitalist*innen macht, die „Abfertigung neu“. Seitdem werden laufend Beträge (1,53% des Lohns) in eine kapitalbasierte soziale Absicherung eingezahlt. Inzwischen sind es mehr als 10 Milliarden Euro, die am Kapitalmarkt angelegt werden, Tendenz steigend. Das WAS erklärt, was Dein Geld dort macht und wie Du es da wieder raus bekommst.

Die Idee der Regierung oder ihrer Berater*innen war: Wenn jedes Jahr zusätzlich 1,53% des Bruttoentgelts beiseite gelegt werden, um verzinst veranlagt zu werden, dann hat jede*r Arbeitende am Ende des Arbeitslebens ein Jahresgehalt zusätzlich. Mussten ab 1979 die Firmen bei Beendigung jedes längeren Arbeitsverhältnisses einmalig in die Tasche greifen und eine Abfertigung auszahlen, geht das jetzt also Monat für Monat in Stückerl.

Quelle: wikimedia.org

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Dein Geld kann das. Quelle: wikimedia.org

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Erste Drecksbude verordnet flächendeckend 12-Stunden-Tage

In Arbeitsrecht, Arbeitszeit on September 25, 2018 at 1:18 am

Aus dem Umfeld des WAS ist uns ein erster Fall von großangelegten 12-Stunden-Tagen zu Ohren gekommen. Ein Wiener Unternehmen aus dem Großcatering-Bereich (Name ist dem WAS bekannt) verordnet nun generell 12-Stunden-Schichten. Dabei wurden sogar nocheinmal die neuen Gesetze zum 12-Stunden-Tag überschießend ignoriert. Es werden nämlich keine Überstunden angeordnet, sondern in den neuen Dienstplänen finden sich leise, still und heimlich einfach zwölf Stunden eingetragen. Noch perfider ist, daß das Unternehmen dabei auf den Trick zurückgreift, einfach zwei 6-Stunden-Schichten oder alternativ eine 8- plus eine 4-Stunden-Schicht hintereinander „anzubieten“, sprich einzutragen, statt einer 12-Stunden-Schicht, um die es sich ja handelt. Eine Möglichkeit zum „Einspruch“ oder Freiwilligkeit bezüglich der Tagesarbeitszeit gibt es natürlich nicht. Grundsätzlich zwölf Stunden pro Tag arbeiten oder gar nicht ist die Devise! Eine Mitsprache bei den Dienstplänen ist in dieser Firma nicht vorgesehen. Die Propaganda der Regierung, daß eh alles freiwillig sei, ist damit Lügen gestraft! Was gemacht werden darf, wird auch gemacht! Und oft, wie in diesem Fall, sogar gesetzeswidrig noch mehr.

Die spezielle Firma ist schon früher öfter mit halb-legalem Vorgehen aufgefallen. Als aktuelles Beispiel: Sie zwingt ihre MitarbeiterInnen, die generell nur 20-Stunden-Dienstverhältnisse haben, dazu, Überstunden geblockt abzubauen. Hat wer 40 Stunden angesammelt, so gibt es im folgenden Monat keine Arbeit, da ja die 40 Stunden abgebaut Den Rest des Beitrags lesen »

Arbeitszeitverkürzung statt 12-Stunden-Tag

In Arbeitsrecht, Arbeitszeit on September 8, 2018 at 10:26 pm

Die rechte Regierung bläst zum Angriff auf Errungenschaften der Arbeiter*innenbewegung und legt damit offen, daß Arbeiter*innen für sie in erster Linie blödes Stimmvieh sind, das jeder Zeit für Macht- und Profitinteressen geopfert werden kann.

Mit dem neuen Gesetz, das noch knapp vor der Sommerpause – ohne Begutachtung durch die „Sozialpartner“ – durchs Parlament gedrückt wurde, ist es den Chefitäten ab dem 1. 9. 2018 erlaubt, 12-Stunden-Tage zu verordnen. Noch schlimmer ist aber, daß diese Überstunden nicht nur vereinzelt möglich sein sollen, sondern mehrere Wochen (bis zu 17 mal) hintereinander eine 60-Stunden-Woche angeschafft werden kann. Was gesetzlich möglich ist, werden Chef*innen, wenn sie´s brauchen, auch verlangen. Und sie werden oft genug auch darüber hinaus gehen.

Das alles legalisiert einerseits bis jetzt illegale Zustände am Bau, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder in der Erntearbeit, andererseits wird es bei Industriebetrieben Umstrukturierungen in den Schichten geben, damit „Auftragsspitzen“ bequemer mit einer kleineren Stammbelegschaft abgefangen werden können. Die Rekordarbeitslosigkeit wird weiter steigen und Arbeitslose bald jeden Job annehmen müssen. Und so unfreiwillig Druck auf jene ausüben, die sich krummhackeln und nunmehr einen 60-Stunden-Job haben. Die/ der Arbeiter*in soll denken, jederzeit ersetzbar und einsparbar zu sein – durch Arbeitslose oder eine Maschine Den Rest des Beitrags lesen »

Zur Lage der kranken und verunfallten Scheinselbstständigen in der SVA

In Arbeitsrecht on Juli 1, 2018 at 3:14 pm

Verbesserung ab heute bei der Unterstützungsleistung / Doch seit anderthalb Jahren Umverteilung von unten nach oben beim Krankengeld – das WAS klärt auf

Quelle: https://commons.wikimedia.org, Autor: GuentherZ, Lizenz: CC BY-SA 3.0 AT

Scheinselbstständigkeit wohin das Auge blickt: Auch das Pferd von Prinz Eugen.

Wie schaut es mit der generellen sozialen Absicherung der rund 307.000 (schein-) selbstständigen Menschen in Österreich, die ein Einpersonenunternehmen (EPU) sind, bei Krankheit und Arbeitsunfällen aus?

In Österreich besteht eine Pflichtversicherung für selbstständig Erwerbstätige in der Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA). Aber …

… wer aus seiner Tätigkeit ein Einkommen unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze bezieht, kann sich in der Regel von der Kranken- und Pensionsversicherung ausnehmen lassen. Da die Kranken- und Pensionsversicherungen Mindestbemessungsgrundlagen haben, würde andernfalls für Den Rest des Beitrags lesen »

Aufruf zur Demonstration „Nein zum 12-Stunden-Tag“

In Arbeitsrecht, Arbeitszeit, Termine (vergangene) on Juni 27, 2018 at 10:59 am

Samstag, 30. Juni, 14.00 Uhr Westbahnhof

Das Wiener Arbeiter*innen Syndikat schließt sich der ÖGB-Demonstration gegen den 12-Stunden-Tag an. Wir rufen alle herrschaftsfreien SozialistInnen auf, mit uns auf die Demonstration zu kommen.

Die rechts-rechtsextreme Regierung bläst zum Generalangriff gegen Erungenschaften der ArbeiterInnenbewegung. Mit dem neuesten Gesetzesvorschlag, der noch knapp vor der Sommerpause im Eiltempo – ohne Begutachtung – durchs Parlament gedrückt werden soll, soll es den Chefitäten erlaubt sein ab 1.1.2019 12-Stunden-Tage zu verordnen. Viel schlimmer ist aber noch, daß diese Überstunden nicht nur vereinzelt möglich sein sollen, sondern generell (mehrere Wochen durchgehend hintereinander) eine 60-Stunden-Woche angeschafft werden kann. Dabei wird es kein Mitspracherecht der HacklerInnen mehr geben. Die Chefitäten können 60-Stunden-Wochen einfach befehlen. Wenn ArbeitnehmerInnen wöchentliche Überstunden zwischen 50 und 60 „aus überwiegend persönlichem Interesse“ ablehnen, wird dies in Zukunft auch vermehrt zu fristlosen Entlassungen – wegen „Arbeitsverweigerung“ – führen. Denn abgeschafft werden soll auch die Überprüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit durch das Arbeitsinspektorat sowie die Mitsprache der Belegschaft bei mehr als 50 Stunden pro Woche.

Das alles wird einerseits derzeit illegale Zustände wie am Bau, in der Gastronomie oder in der Erntearbeit legalisieren, andererseits jedoch auch bei Den Rest des Beitrags lesen »

Streik!

In Arbeitsrecht, Gesundheit und Soziales on Februar 12, 2018 at 1:30 am

Update 13.02.: Warnstreiks definitiv Donnerstag und Freitag!

KV-Verhandlungen im Sozialbereich unterbrochen – Streikbeschlüsse gefasst

Die derzeitigen Kollektivvertrags-Verhandlungen zum Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) wurden nach der vierten Runde ergebnislos unterbrochen. Die ArbeitgeberInnen-Seite stimmte den Forderungen der ArbeitnehmerInnen-Seite nicht zu. Nun wurden in mehreren Bundesländern in den Betrieben Streikbeschlüsse gefasst. Falls es bei der nächsten Verhandlung am heutigen 12. Februar zu keinen Einigungen kommt, wird mit den Arbeitsniederlegungen begonnen. In Österreich besteht allerdings keine Streikkultur. Dementsprechend gering ist das Wissen und groß die Unsicherheiten in Bezug auf Streik als auch Arbeitskampf im Allgemeinen auf der Seite der Arbeitenden. Wir wollen dem entgegenwirken, indem wir in diesem Artikel für Euch Grundlagenwissen und rechtliche Informationen gebündelt haben.

Beginnen wir einmal ganz von vorn – mit der Definition von Streik: Den Rest des Beitrags lesen »

Doch keine Auslagerung

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitsrecht, Informationstechnik on Dezember 6, 2017 at 11:15 pm

Das Wiener Arbeiter*innen Syndikat hat dieses Jahr u.A. mit KollegInnen in einem großen IT-Konzern, der auch in Wien eine vierstellige Anzahl an Beschäftigten hat, eine Aktion gemacht. In dem Betrieb werden derzeit wieder verstärkt Abteilungen ausgelagert. Der buchhalterische Wahnsinn, dem schon viele Beschäftigte zum Opfer gefallen sind, läuft jetzt schon seit Jahren. „Zugekaufte“ Dienstleistungen können nämlich als Betriebsaufwände verbucht werden, im Gegensatz zu direkt Beschäftigten, die als Personal- und somit Fixkosten in den Jahresabrechnungen aufscheinen. So werden immer mehr Arbeitsplätze ausgelagert und vormals Angestellte zu „Dienstleistenden“ gemacht und mit diesem Buchhaltungstrick die Bilanzen aufgehübscht. So als ob die Konzerne viel weniger Fixkosten hätten als in Wirklichkeit und der Betrieb viel profitabler wäre als er tatsächlich ist. Zusätzlich sind hoch diversifizierte Belegschaften einfacher zu lenken, die Angestellten und ArbeiterInnen der unterschiedlichen Firmen viel besser gegeneinander auszuspielen und es ist generell mit niedrigerem Organisierungsgrad und dadurch weniger Widerstand zu rechnen. Den Rest des Beitrags lesen »

Selbstorganisierung bei Jugend am Werk

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitsrecht, Arbeitszeit, Gesundheit und Soziales, Solidarity on Juli 19, 2017 at 4:49 pm

Betriebsinfoblatt erschienen

Bei Jugend am Werk (JaW), einer der größten Einrichtungen in Österreich
zur Betreuung von Menschen mit Lernschwierigkeiten, haben Kolleg*innen
begonnen sich selbstzuorganisieren. Sie haben im Mai, anläßlich von
Teilbetriebsversammlungen, ein erstes Betriebsinfoblatt herausgebracht.
Ausgangpunkt war die schlechte Informationspolitik von der Leitung und dem
Betriebsrat – und gleichzeitig sich fortsetzende Verschlechterungen für
die Belegschaft und die Klient*innen durch Einsparungsmaßnahmen. Um im
Betrieb eine Diskussion dazu und Selbstorganisierungsprozesse anzuregen,
haben die Kolleg*innen das Infoblatt geschrieben, welches Ihr hier
runterladen könnt.

Da die Kolleg*innen teilweise auch im WAS organisiert sind, werden sie von
uns unterstützt. Beispielsweise haben wir das Flugblatt an über 70
Standorten in Wien verteilt, und mitgeholfen alle rund 1700 Beschäftigten
zu erreichen. Die Kolleg*innen sind über folgende Emailadresse direkt
erreichbar: bg-jaw at riseup.net („at“ durch“@“ ersetzten).

JaW_BetriebsinfoblattNr1

 

 

Französische Botschaft kriegt einen Brief

In Allgemeines, Arbeitsrecht, Solidarity on Oktober 7, 2016 at 8:50 pm

foto_brief_franz_botschSeine Exzellenz Pascal Teixeira da Silva, Botschafter der Republik Frankreich in Österreich!

Mit diesem Brief wollen wir, das Wiener Arbeiter*innen Syndikat, unseren Protest gegen die Arbeitsrechtsreform im Frankreich ausdrücken. Die Reform ist nichts anderes als ein Angriff gegen die Existenz der Arbeiterinnen und Arbeiter.

Die Auswirkungen der Reform sind nicht nur in Frankreich zu spüren, sondern gefährden alle Arbeiterinnen und Arbeiter Europas und dadurch der Welt.

Die Reform wurde undemokratisch durchgesetzt. Nach heftigen Protesten gegen das Gesetz ist die Vorlage ohne Abstimmung in Kraft getreten. Somit hat die „Sozialistische“ Regierung Frankreichs ihr wahres Gesicht gezeigt.

Wir wollen die sofortige Aufhebung dieses undemokratischen und asozialen Gesetzes.

In Solidarität mit allen Arbeiterinnen und Arbeitern der Welt,

das Wiener Arbeiter*innen Syndikat

Praktisch rechtlos? Praktisch ausgeliefert?

In Arbeitsrecht on März 20, 2014 at 8:24 pm

Hier eine leicht überarbeitete Wiederauflage eines Textes aus dem Jahr 2010 – leider aktueller denn je. In Deutschland wird gerade die Debatte um den Mindestlohn zu Ende geführt, ausgenommen vom flächendeckenden Mindestlohn bleiben sollen Jobs für Jugendliche und – Überraschung – Praktika. Nicht schwer auszurechnen als was in Zukunft noch mehr Jobs deklariert werden, um den Mindestlohn  zu unterlaufen. Auch in Österreich werden nach einer kurzen Unterbrechung sogar in Ministerien wieder fleißig PraktikantInnen beschäftigt, obwohl hier die Gesetzgebung eigentlich recht eindeutig ist.

Warum sollte ich aber kein un- oder schlechtbezahltes Praktikum machen, wenn es die einzige Möglichkeit z.B. in einer Bank oder Versicherung unterzukommen? Zum Beispiel weil auf das Praktikum meist keine Fixanstellung sondern, richtig: ein Praktikum folgt. Glaubt einem erfahrenen „Arbeitssuchenden“: Je mehr Kleinkram im Lebenslauf steht desto egal… Am Ende wartet meist doch die Arbeitslosigkeit. Wenn schon arbeiten, dann auch mit Geldverdienen!

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Seit einigen Jahren kursiert der Begriff „Generation Praktikum“ in der öffentlichen Debatte. Gemeint ist hier meist der „höher“ ausgebildete Teil junger Arbeitskräfte ohne Fixanstellung. Das ist, zumindest was die arbeitsrechtliche Bedeutung des Begriffs „Praktikum“ betrifft irreführend, weil hier meist verschiedenste Formen von Arbeitsverhältnissen und Ausbildungsformen zusammengewürfelt werden. Leider führt die inflationäre und verallgemeinernde Verwendung derartiger Begriffe auch dazu, unterschiedliche Formen der Entrechtung und/oder Ausbeutungssteigerung mehr oder minder als „Naturphänomen“, als praktisch nicht zu verhinderndes Zwischenspiel auf der Karriereleiter zu betrachten. „Weil das eben heute so ist“. Freilich tun Ausbildungs- und Jobberatungen das Ihrige, jungen Leuten zu erzählen, dass einschlägige Berufs-Praxis wichtig und richtig sei, noch ehe man und frau überhaupt – im Sinne eines regulären Lohnarbeitsverhältnisses –  gearbeitet hat. Was hier mit schönen Worten und den Zukunftsängsten der Jungen verpackt wird ist Ausbeutung zum Nulltarif für den Nutznießer: dem Unternehmer.

Diese Entwicklung geht einher mit der allgemeinen Tendenz zur Auslagerung berufs- und branchenspezifischer Ausbildungen aus dem Betrieb hin zu von der öffentlichen Hand finanzierten Bildungseinrichtungen (FH´s, geförderte Aus- und Weiterbildung durch AMS etc.). Die Unternehmen wollen fertig ausgebildete und bereits erfahrene, aber dennoch junge und anpassungsbereite Arbeitskräfte ohne einen Cent dafür investiert zu haben. Diverse Formen des „Praktikums“ sind für die UnternehmerInnen eine willkommene Methode, einerseits potentielle ArbeitskraftkandidatInnen auszusieben ohne jegliches Risiko einzugehen. Andererseits aber auch schlichtweg eine regelmäßig hohe Zahl an unbezahlten Arbeitskräften bei der Hand zu haben, die zwar unter Umständen unerfahren sind, aber dafür auch nichts oder sehr wenig kosten.

Die meisten berufsausbildenden Schulen verlangen gewisse Praktikumszeiten, meist in enger Zusammenarbeit mit bestimmten Betrieben. Andere Formen des „Praktikums“ machen die Auszubildenden oder AbsolventInnen „freiwillig“, weil sie sich damit bessere Chancen bei zukünftigen Bewerbungen erhoffen. Die Betroffenen bleiben aber meist im Unwissen, welche wenn auch meist recht bescheidenen Rechte sie eigentlich nach den Arbeitsgesetzen hätten. Zum anderen fehlt hier anfänglich oft jegliches Unrechtsbewusstsein. Erst mit fortschreitenden Alter und nach mehreren Praktika wird manchen klar, dass frau oder man sich – meist neben der Ausbildung – einige Jahre für die Wirtschaft aufgerieben hat, ohne damit nennenswerte persönliche ökonomische Sicherheiten erworben zu haben.

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Das Arbeitsrecht

Das Arbeitsrecht definiert gewisse Mindeststandards und sollte auch so gesehen werden. D.h. besser für die ArbeiterIn geht immer, schlechter sollte es aber nicht werden. Die UnternehmerInnen wissen aber ganz genau, dass einem/einer oft nichts anderes überbleibt, als auch nicht arbeitsrechtskonforme Arbeitsverhältnisse anzunehmen, weil der Arbeitsmarkt eine/einem dazu zwingt. Das heißt aber nicht – auch für uns SyndikalistInnen nicht -, dass das Arbeitsrecht völlig egal wäre. 1.) ist es eine gute Argumentationsgrundlage KollegInnen zu sensibilisieren und deren Bereitschaft sich zu wehren zu erhöhen, 2.) ist es eine Argumentationsgrundlage gegenüber der Chefität und 3.) können unter Umständen, etwa im Fall einer Kündigung rechtliche Schritte unternommen, zumindest angedroht werden. Im letzten Fall ist es jedoch Voraussetzung, dass Du in Deinem Praktikumsvertrag keinerlei (oft versteckte) Verzichtserklärungen mitunterschreibst. Es ist allerdings durchaus sinnvoll einen schriftlichen Praktikumsvertrag aufzusetzen.

Rechtliche Tipps gibt´s z.B. bei der ArbeiterInnenkammer. Am besten Du holst Dir von dort die einschlägigen Broschüren ab. Bitte beachte aber, dass die meisten Regelungen verschiedensten Bereichen des Arbeitsrechts entstammen, dass also viele Regelungen ausschließlich auf jugendliche ArbeiterInnen zutreffen, und die meisten „Praktika“ für Erwachsen durch das ganz normale Arbeitsrecht geregelt sind, das heißt v.a. auch der jeweilige Kollektivvertrag gilt.

Entscheidend in arbeitsrechtlicher Sicht ist jetzt, dass zwischen den verschiedenen Formen der Beschäftigung klar unterschieden wird:

a)    Ferialjob

b)    Praktikum

c)    Volontariat.

Wichtig: Der Ferialjob und das Praktikum sind ganz normale (befristete) Arbeitsverhältnisse, d.h. es gelten sämtliche Regelungen der Sozialversicherung, Arbeitsruhezeiten, etc. und v.a. auch der Bezahlung!

Einzig ein Volontariat ist eine Form der Beschäftigung, die nicht bezahlt werden muss. Hier darf aber auch keine besondere Tätigkeit von einer/einem verlangt werden, die Anwesenheit bzw. Zeiteinteilung ist dem/der Freiwilligen selbst überlassen bzw. auch die Frage woran diese/r mitwirkt, woran nicht. Das heißt das Volontariat ist kein Arbeitsverhältnis, sondern einfach eine Möglichkeit bestimmte Berufsbereiche ohne gegenseitige Bindung kennenzulernen. Auch in einem Volontariat kann ein Taschengeld bezahlt werden, damit erwirbt sich aber der Chef keinerlei besondere Rechte. Im Zusammenhang mit einer Ausbildung kann freilich ein bestimmtes Ausbildungsziel definiert sein, es ist aber darauf zu achten, dass dies nicht zu einem versteckten Arbeitsverhältnis führt.

Das heißt das Praktikum im engeren Sinn darf kein un- oder unterbezahltes Arbeitsverhältnis ohne Arbeitszeitregelung sein, wie das in heute in vielen Bereichen gemacht wird. Freilich, viele Kollektivverträge, z.B. im Gastgewerbe, sind oft ziemlich mies für die ArbeiterInnen, die Mindestbezahlung ist oft nicht wesentlich höher als eine Lehrlingsentschädigung und viele Regelung des Arbeitsrechts gelten erst ab dem 2.Arbeitsmonat (also nach dem Probemonat). Hier entsprechen die Kollektivverträge zwischen den Zentralgewerkschaften und UnternehmerInnenverbänden freilich eher den Bedürfnissen der ArbeitskäuferInnen als jenen der ArbeiterInnen. Nebst der ganz „selbstverständlichen“ Legalisierung der Ausbeutung die sie bedeuten.

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„Praktikum“ statt bezahlter Arbeit

In vielen Bereichen gehören heute Volontariate zum „normalen“ Berufseinstieg. Zumindest wird das einem/einer häufig eingeredet. In NGO´s etwa gilt es als selbstverständlich neben wenigen fix angestellten Büroleuten, eine Vielzahl von Prekär Beschäftigten und VolontärInnen arbeiten zu lassen. Mit dem Versprechen, zumindest der Hoffnung für die prekär Beschäftigten und VolontärInnen eines fernen Tages mal selbst eine Fixanstellung zu bekommen. Dieses System ist hierarchisch aufgebaut und funktioniert trotz der realen Aussichtslosigkeit für den/die Einzelne (es werden ja nur eine Hand voll Fixangestellter „gebraucht“ die naturgemäß möglichst lange an dieser Beschäftigung festhalten) meist relativ reibungslos. Besonders in technischen Berufen dienen Praktika und Volontariate der Vorauslese von zukünftigen Arbeitskräften. Hier werden manchmal Kollektivverträge eingehalten, allerdings herrscht oft eine hohe persönliche Abhängigkeit zum Unternehmer, v.a. in spezifischen auf ganz bestimmte Betriebe zugeschnittenen Berufsausbildungen.

In wissenschaftlichen Berufslaufbahnen, in Medien-, Kulturbetrieb, Werbebranche u.a. sind nicht oder schlecht bezahlte, v.a. befristete Beschäftigungsverhältnisse schon zur Normalität geworden. Die Aussicht auf eine mögliche Verlängerung des Beschäftigungsverhältnisses hat natürliche eine enorme disziplinierende Wirkung auf den/die ArbeiterIn. Ein Krankenstand oder eine Absage eines Wochenendtermins könnte schnell als Arbeitsunwilligkeit ausgelegt werden.

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Keine Chance?

Jetzt ist es nun mal Voraussetzung  in einigen Ausbildungen ein Praktikum zu absolvieren, und manchmal nimmt die Ausbildungseinrichtung wenig Rücksicht darauf unter welchen Bedingungen das geschieht. Und andererseits gibt es viele Branchen und Berufsfelder in denen einer/einem wenig Alternativen bleiben, wenn man und frau nicht auch befristete und schlecht bezahlte Jobs annimmt.

Das heißt aber noch lange nicht, dass wir uns damit einfach abfinden müssen! Zuerst mal wichtig ist sich zu informieren. Dann sich mit KollegInnen auszutauschen: mit anderen Auszubildenden ebenso, wie zu versuchen in dem Betrieb, in dem das Praktikum absolviert wird Kontakte herzustellen. Wie sind die Arbeitsbedingungen allgemein in dem Betrieb? Wie viele PraktikantInnen gibt/gab es? Wurden überhaupt schon welche in eine Fixanstellung übernommen? Welche Löhne werden gezahlt?…

Klar, in einem befristeten Arbeitsverhältnis ist es oft schwierig in einen intensiveren Austausch mit den KollegInnen zu treten. Verständnis für die eigene Situation oder gar für die Notwendigkeit von kollektiver Solidarität zu erwirken kann schwierig sein, solange man/frau als „Durchläufer“, „Außenstehende“ oder gar „Konkurrenz“ wahrgenommen wird. Das sollte eine/m aber nicht davon abhalten, es dennoch zu versuchen. Die Solidarität zwischen den ArbeiterInnen wird durch unterschiedliche Beschäftigungsverhältnisse, die in einem Betrieb herrschen, oft ausgehebelt und Konkurrenz um die wenigen „Fixplätze“ soll ein kollektives Aufbegehren verhindern. Das bewusste Zugehen auf KollegInnen und das offene Aussprechen der Probleme, und darüber hinaus, etwa das Einladen zu einem „Stammtisch“ und ähnlichen informellen Organisierungsansätzen kann schon mal die Mauer zwischen den „EinzelkämpferInnen“ durchbrechen.  Dort, wo es gelingt solche Selbstorganisationsansätze zu etablieren, dauert es meist nicht lange bis sich auch die ersten Erfolge gegenüber der Chefität einstellen, weil man und frau zu mehrt immer mehr erreicht als alleine. Denn die Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse betrifft alle. Gerade weil „Junge“ sehr häufig als LohndrückerInnen eingesetzt werden muss auch im Interesse aller sein, dass sich die Arbeitsverhältnisse der Jungen verbessern.

Sprich Deine Vorgesetzten auf die Möglichkeit eine Weiterbeschäftigung bzw. Aussichten auf eine Fixanstellung an, frag nach verbindlichen Zusagen. Je vager die Antwort ist, desto eher weißt Du, worauf Du Dich einlässt. Für ein „möglicherweise irgendwann“ oder einen Eintrag mehr in Deinem Lebenslauf musst Du Dir nicht den Arsch aufreißen.

Bei Praktika innerhalb einer schulischen Ausbildung sei auch noch folgendes gesagt: Die Schule ist zwar nicht verpflichtet, Dir einen Praktikumsplatz zu organisieren, aber Dich über Deine Rechte aufzuklären. Es ist sicher sinnvoll, wenn Du Dich im Vorfeld unabhängig davon informierst und gegebenenfalls eine ausreichende Information und Diskussion zu Arbeitsrecht, Gefahren bzw. Arbeitsschutz und Arbeitsverhältnissen in der Schule einforderst. Auf Betriebe, die mit Schulen eng zusammenarbeiten, kann durchaus auch über die Schule Druck ausgeübt werden, wenn dort Mindeststandards nicht eingehalten werden.

Nütze das Wiener ArbeiterInnen Syndikat, um Dich mit anderen auszutauschen, die möglicherweise in einer ähnlichen Situation sind, oder auf Missständen in Betrieben hinzuweisen und zu überlegen, was dagegen unternommen werden kann.

Wie auch immer, steck den Kopf nicht in den Sand und lass Dich nicht verarschen. Und: Gemeinsam geht’s immer besser als allein!