Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Weiterhin Arbeitskampf in der Secession! Eine Kurzübersicht

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Kunst/ Kultur on 4. Dezember 2021 at 23:48

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Die betroffenen Geringfügig Angestellten der Secession kämpfen weiter um die Einhaltung des Arbeitsrechtes an ihrem Arbeitsplatz. Die Geschäftsführung hat ja zugesagt, einen kleinen Teil der arbeitsrechtlichen Punkte umzusetzen, jedoch hat sie noch nicht allen Punkten eindeutig zugestimmt. Eure praktische Solidarität ist also weiterhin notwendig. Hier eine kurze und knackige Übersicht was bisher geschah.

Die Ziele der betroffenen Geringfügig Beschäftigten

1. Arbeitsrechtliche Minimalstandards

Stundenabrechnungen während der Pandemie:

  1. Wiedergutschreibung von unrechtmäßig abgebauten Plusstunden während der „Lockdowns“
  2. Wiedergutschreibung von unrechtmäßig abgebautem Urlaub während der „Lockdowns“
  3. Rücknahme von unrechtmäßig entstandenen Minusstunden, auch außerhalb der „Lockdowns“
  4. halbierte Arbeitstage während der Ausgangsbeschränkungen bei der Zeitaufzeichnung nicht in Stunden sondern in ganzen Tagen rechnen

Kommunikation:

  1. keine Kommunikation außerhalb der Arbeitszeit
  2. Urlaube, in denen angerufen wurde, müssen wieder gutgeschrieben werden
  3. keine unbezahlte Rufbereitschaft
  4. Vergütung real stattgefundener Rufbereitschaft mit 800 Euro Pauschale pro Person

Mehrarbeit:

  1. keine Mehrarbeit, auf jeden Fall Auszahlung von Plus- und Überstunden mit Zuschlag

Außerdem:

  1. Auszahlung von Feiertags- und Sonntagszuschlägen
  2. nur Tätigkeiten innerhalb der Stellenbeschreibung
  3. rechtzeitige Bekanntgabe der Dienstpläne
  4. Aushändigung der Betriebsvereinbarung bei Vertragsabschluss
  5. die Vereinbarungen gelten auch für ehemalige Geringfügig Angestellte

2. notwendige Verbesserungen

  1. keine vereinzelte Kommunikation mehr
  2. mehr Personal
  3. Einspring-Zulage
  4. grundlegende Ausstattung (Wasser, Kleidung)
  5. Gehältserhöhung auf mindestens 450 Euro
  6. Bezeichnung „Springer_in“ muß weg

Die Geschäftsführung hat die Umsetzung von 6 von 20 Punkten zugesagt bzw. bereits getätigt (5, 9, 12, 14, 19 und 20), der Großteil ist offen!


Chronologie der Ereignisse

2021
Februarerster Kollege wirft wegen unhaltbaren Zuständen das Handtuch und kündigt
Augustdie KollegInnen beginnen sich zu organisieren, alle sind sich einig, daß „etwas passieren muss“
23.9.neuer Vorstand übernimmt in der Secession; wir warten mit Kontaktaufnahme um mit „den Neuen“ vielleicht auch eine unvorbelastete Basis zu haben
9.10.eingeschriebener Brief des WAS an die Geschäftsführung der Secession mit Auflistung der arbeitsrechtlichen Mißstände und Gesprächsangebot
13.10.Anruf der Secessions-Geschäftsführung beim WAS mit Terminvereinbarung für 21.10.
21.10.erster Gesprächstermin zwischen WAS und Geschäftsführung: genaue Beschreibung aller arbeitsrechtlichen Problemfelder inklusive gültiger Rechtsnormen; Auflistung der konkreten Ziele der Geringfügigen; die Geschäftsführung sagt zu, daß das Kontaktieren in der Freizeit sofort aufhört
Vorzeitiger Berechtigter Austritt der nächsten Kollegin wegen der Zustände
22.10.die KollegInnen werden in der Freizeit kontaktiert …
Vor-Verschiebung des nächsten Gesprächstermins per Email durch die Geschäftsführung auf 10.11.
25.10.Anruf des WAS bei der Geschäftsführung, daß die Vereinbarung vom 21.10. gebrochen wurde und die KollegInnen schon wieder angerufen werden; die Kontakte in der Freizeit werden ab dann eingestellt
2.11.nach einer Vollversammlung der betroffenen Geringfügigen Email des WAS an die Geschäftsführung, daß Alle bis zum nächsten Gesprächstermin keine Kampfmaßnahmen ergreifen werden und die sehr lange Frist von drei Wochen akzeptieren
10.11.zweiter Gesprächstermin: Zusage der Secession zu einigen wenigen Punkten der Ziele, Absage zu den restlichen Punkten, Ex-Kollege wurde vergessen, Zusage bis 12.11. mitzuteilen ob das „Angebot“ auch für ihn gilt
12.11.keine Mitteilung zu Ex-Kollegen, Vereinbarung wird durch die Secession gebrochen
15.11.WAS-Email mit Nachbesserungen und Frist, diese bis 17.11. zubestätigen
17.11.Secession ignoriert unsere Nachbesserungen und Frist
zwei Anrufe des WAS bei der Geschäftsführung, um klarzustellen, daß wir die Kundgebung machen werden, wenn wir weiterhin ignoriert werden
18.11.„Drohung“ des Betriebsrates an die betroffenen KollegInnen, daß sie die Kundgebung nicht machen sollen
Briefe der Secession an die Geringfügigen: diese enthalten teils falschen Zeitlisten, außerdem wurden angestaute Überstunden aus 2018 und 2019 einfach auf null gesetzt; teilweise „verschwanden“ pro KollegIn 105 Überstunden im Jänner 2020
WAS-OTS-Aussendung mit Informationen zur Kundgebung am nächsten Tag
19.11.Kennenlern- und Gesprächseinladung des Secessionsvorstands an alle Secessions-Mitarbeiter_innen
Protestkundgebung des WAS vor der Secession während der Ausstellungseröffnung
23.11.Email der KollegInnen an den Vorstand: Annahme der Einladung mit Information, daß sie in Begleitung eines weiteren (externen) WAS-Mitglieds kommen werden
WAS-Email an Geschäftsführung mit Hinweis auf falsche Zeit-Listen in den Briefen und Empfehlung für professionelle bzw. externe Lohnverrechnung
25.11.Email vom Vorstand: Verwehrung der Begleitung durch ein externes WAS-Mitglied
26.11.Email der Geschäftsführung: Auszahlungstermin der zugesagten Ansprüche könne nicht eingehalten werden wegen Überlastung Lohnverrechnung (Verschiebung von November auf Dezember) plus ungenaue Zusage für „zustehende Ansprüche“
29.11.Email der KollegInnen an den Vorstand, daß sie jedes Gespräch auf die Zeit nach Erfüllung der arbeitsrechtlichen Minimalstandards durch die Geschäftsführung verschieben
Email des WAS an die Geschäftsführung, daß die Kampfmaßnahmen solange weitergehen, bis alle Punkte (siehe oben) erfüllt werden oder zumindest schriftlich zugesagt sind
Im neuerlichen Lockdown gibt es bisher keine Informationen, wie die Geringfügigen arbeiten sollen; sie stehen vor verschlossenen Türen; auf Emailnachfrage heißt es, daß die Infos dazu in der Secession ausgehängt sind, wo die KollegInnen mangels Schlüssel aber keinen Zutritt haben, …
30.11.dritte Kollegin kündigt u.a. wegen dieser Zustände
3.12.neuerliche vage Information der Geschäftsführung, daß sich eine externe lohnverrechnerische Prüfung der Ansprüche bedauerlicherweise verzögert.
13.12.MitarbeiterInnengespräch der Geschäftsführung, das „Jour Fix“ getauft wurde. Alle Angestellten aus den Bereichen Kassa/ Shop/ Aufsicht sind geladen. Quasi alle KollegInnen bestätigen die von uns aufgeworfenen Problemfelder und sind solidarisch mit den Geringfügigen. Die Geschäftsführung räumt erneut Fehler ein und kündigt an, daß auch die Zahlungen der Fixangestellten aufgerollt und neuberechnet werden. Auch Strukturänderungen sollen ab Februar kommen. Das WAS wird lange problematisiert und man hätte sich Organisierung im ÖGB gewünscht von Seiten der Geschäftsführung.
Mit dem WAS wird weiterhin nicht gesprochen, eine Antwort auf die Punkte, die umgesetzt werden müssen, steht immer noch aus!
16.12.Kundgebung vor der Secession
22.12.Brief der Secession an die KollegInnen mit einer „Neuberechnung“; diese ergibt zwar einige Tausend Euro Gehaltsnachzahlung, ist aber in wesentlichen Punkten (13. und 14. Gehalt, Minusstunden, …) schon wieder falsch; die Geschäftsführung drängt auf Unterschriften unter „Vereinbarungen“, daß mit dieser Zahlung alle Ansprüche abgegolten wären; Rufbereitschaft wird weiterhin kategorisch verneint
2022
JännerNach wiederholt falschen Abrechnungen der Secession wird die Neuberechnung der letzten Jahre nun vom WAS selbst minutiös nachgerechnet. Gleichzeitig melden unterschiedliche Quellen, dass es in der Secession einen wirklichen positiven Wandel und eine Umstrukturierung gibt. Gegebenenfalls veröffentlichen wir diesbezüglich zu einem späteren Zeitpunkt genauere Informationen.
09.02.Artikel zum Arbeitskonflikt in der Straßenzeitung Augustin Ausgabe 545 erschienen.
Diese Chronologie wird fortwährend ergänzt. Letzte Aktualisierung: 09.02.2022.

Unterstützt die Kolleg_innen weiterhin, bis sie bekommen haben, was ihnen zusteht!

Artikel veröffentlicht am 04.12.2021 am WAS-Blog. Kopieren mit Quellverweis möglich.

Mehr zu diesem Arbeitskonflikt
Aufruf zur Kundgebung am 19.11. (DE/ EN)
Bericht zur Kundgebung am 19.11.

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