Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Heißer Herbst?

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitsrecht, Arbeitszeit, Öffentlicher Verkehr / Transport, Dienstleistung, Gastronomie, International, Kunst/ Kultur, Repression on 2. November 2021 at 23:35

Aktuelle Konflikte des WAS

Während der ÖGB sich bei den Metaller-KV-Verhandlungen gerade wieder einmal über den Tisch ziehen lässt und weit unter der Inflationsrate, vermutlich sogar unter 3%, abschließen wird und die FrisörInnen schon mit 1,4 % abgespeist wurden, haben wir im WAS derzeit gleich sieben Kämpfe am laufen, über die wir Euch hier kurz berichten wollen.

Viennese dialect: „Nothing works without revolution“ (May 18th 2019, Ibiza Day, in front of the Chancellor’s Office).

Ein geringfügig angestellter Kollege sieht sich vor der ungerechtfertigten Forderung seines Ex-Chefs, der von Ihm Geld für ein beschädigtes Fahrzeug haben will, obwohl das laut Dienstnehmerhaftpflichtgesetz ausgeschlossen ist. Wir kommunizieren mittlerweile mit der Anwältin der Bude und bereiten uns auf eine Tagsatzung vor dem Arbeitsgericht vor, falls die Herrschaften ihren unverschämten Versuch, fast zwei Monatsgehälter einzustreifen, nicht einstellen.

Vor einigen Wochen wurden wir von zwei Reinigungskräften aus Zwettl kontaktiert. Die Beiden GenossInnen wurden aus Südeuropa nach Zwettl gelockt und der Chef wollte ebenfalls extrem viel Geld für ein beschädigtes Betriebsmittel. Nach einer sehr umfassenden Anamnese haben wir festgestellt, daß auch diverse Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Arbeitsbereitschaft, Einarbeitungszeiten, Sonntagszuschläge, Überstunden usw. nicht bezahlt wurden. Wir verlangen den korrekten Lohn und bereiten uns auf eine Demonstration in Zwettl vor, falls der Chef nicht schleunigst bezahlt.

Im Zuge unseres Hausbesuches haben wir auch Kontakt zu Tschechischen und Slowakischen HacklerInnen eines Hotels im Waldviertel bekommen. Diese wurden noch schlechter behandelt und mußten anscheinend die letzten vier Monate elf Stunden pro Tag arbeiten, während nur 40 Stunden pro Woche bezahlt wurden. Auch in dem Hotel hat man noch nichts von 13. und 14. Monatsgehalt gehört. Wir haben unverzüglich unsere GenossInnen der PA in Bratislava kontaktiert und den KollegInnen somit Unterstützung in Ihrer Erstsprache anbieten können. Wir sind bereit in diesem Fall ausnahmsweise Nicht-Mitglieder zu unterstützten.

Der größte derzeitige Kampf findet in einem weltweit bekannten Wiener Kunst-Haus statt. Acht Angestellte, die teilweise seit fünf Jahren nicht gesetzeskonform behandelt werden, haben sich in einer Art Betriebsgruppe zusammengeschlossen. Unsere Gewerkschaft hat bereits einen ersten fast zweistündigen Termin bei der Geschäftsführung gehabt, und die Problemfelder (Rufbereitschaft, Zuschläge, falsche Anordnungen während Lockdowns, etc., etc.) erörtert. Es geht auch um über 8000,- Euro pro Arbeitsjahr und angestelltem Menschen. Wir hoffen derzeit auf einen Abschluß ohne Kampfmaßnahmen. Spannend ist, daß die Belegschaft sich auch mit der Ex-Belegschaft verbündet hat und sehr geschlossen und kämpferisch agiert.

Im Zuge der 1. Mai-Verwaltungsstrafen hat ein erstes WAS-Mitglied eine Bestätigung der Verwaltungsstrafe vom Magistrat für Corona-Maßnahmen-Übertretungen erhalten, die nie stattgefunden haben. Nachdem die Polizei den Votivpark einmal „durchgeprügelt“ hat, wurden ja alle danach noch anwesenden 450 DemonstrantInnen mit erfundenen Corona-Maßnahmen-Verwaltungsübertretungen registriert. Wir gehen nun zum Landesverwaltungsgericht und werden nicht hinnehmen, daß die Magistratischen Bezirksämter sich als Handlanger für massenhafte Polizeirepressionen instrumentalisieren lassen.

In einer Arbeitsstelle bei einer Müllabfuhr werden diverse Arbeitsrechte nicht eingehalten. Unser Kollege dort hat die Mißstände zusammengefasst. Beipielsweise erfahren alle HacklerInnen gesetzeswiedrig immer erst am Tag vor der Arbeit, ob sie nun um 6 in der Früh oder um 2 am Nachmittag arbeiten müssen. Auch Überstunden werden nicht bezahlt uvm. Unsere Mitglieder mit Türkischen oder BKS-Wurzeln übersetzen die Rechtsinformationen gerade und wir werden uns bemühen, alle Müllabfuhr-ArbeiterInnen in Wien zu erreichen.

Ein weiterer Genosse in Wien hat gerade einen Konflikt mit einem sehr bekannten vermeintlich-linken Kultur-Veranstaltungsort. Es geht um ein paar hundert Euro im Rahmen eines Auftrittes, die ungerechtfertigt vorenthalten werden.

Sollte eine der Firmen nicht einlenken und für die korrekten Bezahlungen sorgen, so wird es zu Kampfmaßnahmen unsererseits kommen, über die wir euch dann natürlich ausführlich informieren werden.

Veröffentlicht am 02.11.2021 am WAS-Blog. Kopieren mit Quellenverweis möglich.

Zum Ausgang dieser Konflikte:

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