Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Lohnraub bei Seamox/ SThree in Wien erfolgreich verhindert

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Informationstechnik, International, Solidarity on 17. Oktober 2021 at 23:55

Eine kurze Übersicht unseres Konflikts, der von Jänner 2020 bis September 2021 gegangen ist

Anläßlich der Internationalen Wochen gegen Unbezahlte Löhne 2021 präsentieren wir Euch eine Zusammenfassung unseres Abschlußberichts zum Arbeitskonflikt mit den beiden Firmen Seamox und SThree, welchen wir von Jänner 2020 bis Sommer diesen Jahres geführt und am Ende gewonnen haben.

Am 2. Jänner 2020 wurde das WAS von seiner Schwestergewerkschaft in Spanien, der CNT, im Namen eines Genossen kontaktiert, der bis Dezember 2019 unter einem sehr fragwürdigen Anstellungsverhältnis stehend, in Wien zum Opfer von Lohnraub geworden war. Es handelte sich dabei um eine fälschliche (Schein)-Selbstständigkeit bei der IT-Firma Seamox, die das letzte Glied in einer schwind’lingen Kette von Subunternehmen ist/ war, welche Arbeitskräfte für ein großes österreichisches Telekommunikationsunternehmen zu rekrutieren und durch Nearshoring österreichische Sozialversicherung und Steuer zu sparen versuchte. Hinzu kommt, daß Seamox seinen aus dem Ausland angelockten hochqualifizierten Arbeitskräften zum Teil nicht nur zustehende Löhne schuldig blieb, sondern auch jene essentiellen Aufwandsentschädigungen von Flug und Unterbringung. Nachdem unserem spanischen Genossen ein Arbeitsvertrag versprochen aber nicht vorgelegt worden ist und auch keine Lohnzahlung erfolgte, hat er noch rechtzeitig die Reißleine ziehen können und sein Arbeitsverhältnis zur Firma beendet, bevor er noch länger gratis hackelt, … , woraufhin diese ihm einfach gar nichts mehr bezahlen wollte.

Nach akribischer Recherchearbeit in Zusammenarbeit mit unserer bulgarischen Schwestergewerkschaft ARS, der spanischen CNT und dem betroffenen Genossen selbst, wurde vonseiten des WAS versucht, eine Gesprächsbasis mit Seamox bzw. mit SThree, dem Auftraggeber von Seamox, zu finden. Dabei stießen wir auf eine allgemeine Ablehnungshaltung seitens Seamox, Kontakte und vereinbarte Treffen wurden abgesagt oder hinausgezögert. Ein auf uns adressierter auf Drohung ausgerichteten Anwaltsbrief blieb nach unserer Antwort in Form einer transparenten Erklärung ohne Folgen. Von SThree kamen nur leere Versprechen.

Als nächsten Schritt haben wir mit öffentlichen Aktionen gestartet. Da ein weiteres Ultimatum an Seamox und SThree zurückgewiesen wurde, haben wir vor dem Firmensitz von Seamox in Kaisermühlen zu demonstrieren begonnen. In einer Wohngegend gelegen, wurden auch viele AnrainerInnen auf uns aufmerksam, gaben sehr positive Rückmeldungen, nahmen Flugblätter mit und spendeten Geld (ohne daß unsererseits ein Aufruf dazu erfolgt wäre). Auch die von der Firma verständigte Polizei schien eher auf unserer Seite zu sein. Es folgten weitere Versuche vonseiten des Firmenchefs, unsere Kundgebungen zu stören oder gar zu verhindern (z.B. durch Filmen aller beteiligten Personen), was sogar in eine Anzeige wegen (einer niemals stattgefundenen) Körperverletzung gegen einen Kundgebungsteilnehmer gipfelte. Auch dieser Versuch, uns zu vertreiben, lief ins Leere.

Nach mehreren kleinen öffentlichen Aktionen vor Seamox, haben wir schließlich im Juni 2021 eine weitere und bedeutend größere Kundgebung vor dem Firmensitz von SThree in Hauptbahnhofnähe angekündigt. Hier hat sich unsere Hartnäckigkeit schließlich bezahlt gemacht. Plötzlich zeigten sich die Verantwortlichen ausgesprochen lösungsorientiert und haben sich bemüht, die Probleme zügigst aus der Welt zu schaffen.

Einen Tag vor der geplanten Kundgebung hat unser Genosse endlich einen gültigen Vertrag erhalten. Mit Anfang September wurden sämtliche offenen Forderungen über 4730,- plus Kosten für sechs Flüge und die Unterbringungen in Wien sowie Sozialversicherung komplett bezahlt.

Somit wurde der Arbeitskonflikt erfolgreich beendet! Nach 21 Monaten, 800 Mails, zig Telefonaten, hunderten Stunden Aufwand vor Ort und in Recherchearbeit sowie sechs Kundgebungen wurde bewiesen, daß man sich ziemlich gut wehren kann, wenn man zusammensteht! Wo der ÖGB nur untätig an Staatsgrenzen verharren kann, haben wir herrschaftsfreie GewerkschafterInnen gute Strategien, solidarische Netzwerke und eine hohe Flexibilität, da unsere Gewerkschaft aus aktiven und selbstorganisierten Mitgliedern besteht und nicht auf fremdbestimmte und daher lähmende Vertretungsstrukturen baut.

Hoch die Internationale Solidarität!

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