Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Gedenkfeier zum Februar`34 in Ottakring

In Antifaschismus, ArbeiterInnenkämpfe Ö, Historisch on 15. Februar 2021 at 23:11

Der 12. Februar ist jener Tag, an dem sich die Arbeiterschaft in Österreich im Jahr 1934 bewaffnet gegen den Austrofaschismus erhoben hat. Dieses Jahr hat sich das WAS an einer Gedenkfeier im Sandleitenhof – dem größten Wiener Gemeindebau der Zwischenkriegszeit – beteiligt.

GenossInnen auf der Gedenkfeier zum 12. Februar im Sandleitenhof, darunter auch Mitglieder des WAS mit schwarz-roter Fahne (2021).

Der Beginn des Bürgerkriegs in Österreich war der Versuch der bewaffneten ArbeiterInnen, sich gegen die herrschende Diktatur in Österreich sowie gegen den Faschismus allgemein, zu erheben. Übrigens hat es sich um den ersten bewaffneten Aufstand gegen den Faschismus in Europa gehandelt – hier in der Erscheinung des viel zu unbekannten Austrofaschismus unter Dollfuß, welcher zwischen Nationalsozialismus in Deutschland und Mussolini in Italien eine dauerhafte österreichpatriotische faschistische Identität als „zweite deutsche Nation“ etablieren wollte. Dieses klerikalfaschistische System konnte mit seinen Milizen der Heimwehr, dem Bundesheer und der Polizei, den republikanischen Schutzbund und die bewaffneten ArbeiterInnen, bei an die 1600 Opfer, bis zum 16. Februar 1934 besiegen.

Das konnte nicht nur durch den (erneuten) Verrat der Führung der Sozialdemokratie, welche die Waffen an die kampfbereiten ArbeiterInnen nicht aushändigte, gelingen. Einen zentralen Punkt sehen wir auch darin, daß der geplante Generalstreik nicht umgesetzt wurde. So gelang es dem Bundesheer beispielsweise Truppen problemlos mit der Bahn durch ganz Österreich zu bewegen, während die meisten der rund 100.000 kampfbereiten ArbeiterInnen weiterhin auf die Waffen, die die Parteiführung versteckt hatte, warteten.

Die wenigen Kämpfe, die es dennoch gab, waren zum Scheitern verurteilt. So auch im Sandleitenhof in Ottakring, in dem damals 5000 Menschen lebten, der mit 15 Maschinengewehren, 4 Kanonen und 2 Minenwerfern angegriffen wurde. Am Ort des Geschehens von vor 87 Jahren erinnerten wir diesen Freitag an die Ereignisse und den Versuch, sich gegen die Diktatur und den Faschismus zur Wehr zu setzen. Im Redebeitrag des WAS wurde in kritischer Solidarität mit den veranstaltenden GenossInnen der Antifaschistischen Aktion sowie der ATIGF/ Partizan betont, daß jedes hierarchische System derartige Gefahren mit sich bringt und die Befreiung der ArbeiterInnen bekanntlich nur das Werk der ArbeiterInnen selbst sein kann. Ebenfalls nicht unerwähnt blieben die Kontinuitäten innerhalb der ÖVP, die ihre faschistische Vergangenheit nie aufgearbeitet hat, auch gegenwärtig faschistoide Tendenzen an den Tag legt und gegen die Interessen der ArbeiterInnen handelt.

Gedenktstein im Sandleitenhof beim Ort der Gedenkfeier mit Blumen, Kerzen und Kranz der OrganisatorInnen (2021).

Die Feier im Sandleitehonf wurde mit kulturellem Rahmenprogramm wie Gedichten, ArbeiterInnenliedern und als Höhepunkt einer Kranzniederlegung begangen. Trotz klirrender Kälte haben zirka 25 Menschen teilgenommen und das Andenken an die KämpferInnen gegen Diktatur und Faschismus hochgehalten.

Aktion zum 12. Februar der Pankahyttn (2021).

Kurz hinweisen wollen wir auch noch auf eine Aktion der GenossInnen der Pankahyttn, die am 12. Februar um 7 Uhr morgens ihr – zum Gedenktag geschmücktes – Haus den NachbarInnen präsentierten und mit der sehr lautstarken Beschallung mit dem Lied „Arbeiter von Wien“ auf die historischen Ereignisse aufmerksam machten.

Veröffentlicht auf dem WAS-Blog am 15.02. 2021, Kopieren mit Quellenverweis möglich.

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