Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Österreichische Sektion der IAA

Caritas-Betriebsrat und GPA-FunktionärInnen zucken aus

In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitszeit, Gesundheit und Soziales on 27. Februar 2020 at 03:36

Eklat bei der Warnstreik-Kundgebung und offensives Handeln gegen die eigenen KollegInnen

Im Kampf um die 35-Stunden-Woche gab es am 24.2.2020 bei der Caritas einen teilweisen Warnstreik über fünf Stunden. Dazu auch eine Betriebsversammlung im Öffentlichen Raum, vor einer Tagesstruktur-Einrichtung der Caritas am Wiedner Gürtel in Wien, die mit ein paar hundert TeilnehmerInnen gar nicht so schlecht besucht war. Die Belegschaft der Caritas, die einen eigenen Kollektivvertrag außerhalb des SWÖ (ehemals BAGS) hat, bemüht sich dieses Jahr mit den KollegInnen der Sozialwirtschaft Österreich gemeinsam für die 35-Stunden-Woche zu kämpfen. Deshalb gab es auch diesen ersten Streik bei der Caritas seit 18 Jahren. Es gab einen guten Wortbeitrag einer Caritas-Kollegin. Der Rest der Kundgebung war – wie leider viel zu oft – von Sonntagsreden und schlechter ÖGB-Rhetorik geprägt, anstatt daß der von oben geführte Klassenkampf thematisiert worden wären.

Nach Abschluß der Kundgebung, die trotz allem von motivierten KollegInnen getragen wurde, auch welchen, die beim WAS organisiert sind, haben viele Caritas-KollegInnen noch Lust gehabt, weiter zu demonstrieren. Dazu gingen rund 100 Menschen auf den Zebrastreifen, verließen diesen aber nicht mehr und begannen eine spontane Kundgebung und Blockade am Gürtel, um dieser etwas mauen Kundgebung noch ein wenig kämpferische Stimmung folgen zu lassen. Nicht zuletzt auch um die ganze Aktion wenigstens minimal von der appellativen Ebene wegzubringen und – neben dem Streik – ein wenig Druck zu erzeugen und dem Gefühl „daß es rumort“, Ausdruck zu verleihen.

Was anschließend passierte, ist genauso unglaublich wie letztendlich entlarvend für die derzeit etablierten vertretungsdemokratischen und gesetzlich vorgegebenen Stukturen, … da stehen also 100 motivierte KollegInnen am Gürtel (Anm.: einer der größten Straßen Wiens) nahe dem Hauptbahnhof, blockieren diesen und fangen mit einer Spontankundgebung an. Unverzüglich, zucken etliche Wichtigmenschen der unterschiedlichen Caritas-Betriebsräte und der GPA komplett aus und stellen sich offensiv gegen die eigenen KollegInnen! Der Eine entblößte sich per lauthals geschrienem „schleichts euch da – aber sofort“, eine Andere per „das ist nicht mehr demokratisch, das ist ja Anarchie was ihr da machts“. Eine GPA-Checkerin ist zu einem Genossen und hat diesem ein GPA-Schild demonstrativ aus der Hand gerissen, ganz so als ob sie eine militärische Degradierung vollziehen würde. Am genialsten jedoch jener GPA-Regionalsekretär, der mit hochrotem Kopf, schreiend auf die KollegInnen zugestürzt gekommen ist, mit den sich überschlagenden Worten „es Oarschlecha, des woar so ned ausgmocht“.

Was hier passiert ist, ist symptomatisch für eine Gesellschaft, die vergessen hat, wie die sozialen Errungenschaften erkämpft worden sind. Nicht nur daß es von Betriebsrats- und ÖGB-Seite keinerlei Bewußtsein für Kampfmaßnahmen und Druckaufbau gibt – nein – auch ist die Kontrolle über jegliche Aktivität der HacklerInnen das Wichtigste. Sobald eine Belegschaft tatsächlich selber Schritte setzten möchte, werden unverzüglich alle Methoden angewandt, um Einfluß auf die Kämpfe auszuüben. Diese Entgleisung und das offensive Handeln gegen die eigenen KollegInnen zeigt uns einmal mehr, daß „unsere VertreterInnen“ nur dazu da sind, unsere Wut zu kanalysieren, keinen aufrichtigen Protest aufkommen zu lassen und uns strukturell lediglich zu befrieden. Bei den kleinsten Anzeichen für selbständiges Handeln der ArbeiterInnen werden alle Masken fallengelassen und es wird panisch herumgeschrien. Das gelingt freilich nur solange die ArbeiterInnen sich auch beherrschen lassen.

Ob dieselben Leute schon jemals die Caritas-Chefetage als „es Oarschlecha“ bezeichnet hat? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht, das trauten sie sich nämlich nur bei jenen, die sie vorgeben zu vertreten.

Die Caritas-KollegInnen jedenfalls haben nicht schlecht über diese Entgleisungen gestaunt, sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Blockade wurde noch einige Zeit weitergeführt, die Polizei mußte sich auf die Straße begeben und den Gürtel eine zeitlang absperren.

Wir hoffen, daß dieses Beispiel wieder etliche Menschen aufwachen läßt und diese sich in Basisgewerkschaften organisieren oder selber welche mit ihren KollegInnen gemeinsam gründen. Außerdem unterstützen wir jedes Bestreben unbeherrschbar zu werden und endlich mit richtigen Kampfmaßnahmen zu beginnen. Denn schlußendlich ist es für alle Betriebe immer nur eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung; „Was kostet uns mehr, die Forderungen der ArbeiterInnen zu erfüllen oder die Proteste und Kämpfe auszusitzen“, sind die rein ökonomischen Überlegungen der Wirtschaft. Auch der Sozialwirtschaftsbetriebe der Katholischen Kirche, welche natürlich ebenfalls kein Interesse hat, ihre fast 16.000 HacklerInnen in Österreich gut zu bezahlen oder die Arbeitszeit um ein paar Stunden zu verringern.

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