Herrschaftsfreie Basisgewerkschaft – Freund*innen der IAA

Solidarität mit dem Kampf der HafenarbeiterInnen in Genua

In Antimilitarismus, Öffentlicher Verkehr / Transport, International on Februar 13, 2020 at 10:38 pm

Bericht über die Solidaritätskundgebung am 12. Februar

Am 12. Febraur hat vor der Italienischen Botschaft in Wien eine Solidaritätskundgebung für die HafenarbeiterInnen in Genua, die einen Waffentransport blockieren werden, stattgefunden, an welcher GenossInnen des WAS teilgenommen haben.

Obwohl das Schiff, das die HafenarbeiterInnen blockieren wollen, an diesem Tag noch nicht eingelaufen ist, sondern erst in den nächsten Tagen ankommen wird, haben insgesamt zirka 50 solidarische Menschen in Wien an dieser Kundgebung mit Fahnen, Transparenten, Flugzetteln und Redebeträgen teilgenommen.

Auch waren UnterstützerInnen für den in Italien im Häfn sitzenden Gefangenen Andreas Krebs bei dieser Kundgebung und haben mit einem Redebeitrag und einem Transparent auf seine Situation aufmerksam gemacht.

Ein Redebetrag zum Kampf der HafenarbeiterInnen wurde auch von uns beigesteuert. Nachdem eines unserer WAS-Mitglieder eine kurze solidarische Ansprache gehalten hat, hat ein weiterer Genosse unten stehende Rede gehalten, welche ausführlich den Kampf und die Hintergründe zu den Kämpfen der HafenarbeiterInnen, Waffentransporte zu verhindern, schildert.

Hoch die Docker von Genua! Krieg dem Krieg!

Zahlreiche Europäische Häfen werden permanent mit Waffen und Kriegsmaterial beladen, sind somit Teil des schmutzigen internationalen Waffenhandels, und von der EU hochsubventioniert…!
Gleichzeitig, wird den Seenotrettungsschiffen, tausenden Kriegsflüchtlingen, das Anlegen verwehrt, und erschwert, sodass immer wieder dutzende Hilfe suchende Menschen ertrinken !
In Genua gibt es seit einem Jahr, eine intensive Mobilisierung von Antimilitaristen, und den Dockarbeitern vom „Colletivo Autonomo Lavoratori Portuali di Genova“ (CALP), die im Mai und im Juni 2019, die Beladung und Abfertigung der saudischen Kriegsfracht, erfolgreich verhinderten.

Am 18. Januar wurde ein Schiff, beladen mit Hubschraubern der indischen Luftwaffe, die im Krieg in Kaschmir eingesetzt werden, im Hafen Genuas, fotografiert. Es lief viele türkische Häfen an.
Zuvor, am 12.Dez. 2019, belud der Frachter Bahri Abha, im Hafen von Sagunt, in Spanien, acht Container voller Sprengstoff, für die Ver. Arab. Emirate, die im Krieg in Jemen kämpfen.
Die Guardia Civil unterdrückte die Proteste und Interventionen der Arbeiterinnen dagegen.

Auch in Genua, setzt der rechte Regionalpräsident ein Anlegen des Schiffes am 13.Dezember, durch Carabinieri und Polizei, durch. Das Schiff hatte Radpanzer der Kanadischen Firma „General Dynamics“ geladen. Viele Hafenarbeiter, im Gegensatz zu Polizei, Carabinieri und Guardia Civil, mit viel Rückrat, Charakterstärke und Menschlichkeit, ausgestattet, weigerten sich, das Schiff abzufertigen, und gingen in die Offensive..:

„…das Ziel des Kampfes bleibt, keine Kriegslieferungen im eigenen Hafen zuzulassen !
…der Krieg beginnt hier, als Arbeiterinnen rufen wir alle unterstützenden Städte auf, sich uns anzuschließen, um diese
Todesfracht zu blockieren. Machen wir diesen Tag zu einem Kampftag gegen den Krieg,
…um für den Frieden zwischen den Völkern und Unterdrückten zu kämpfen!“

Die Lieferung für 10.Januar 2020, wurde wegen der Proteste, für Genua abgesagt.
Für Februar 2020, wollen die CALP Arbeiter, die ganze Stadt Genua, für einen Streik mobilisieren.
Denn dann wird die Bahri-Yanbu, in Genua erwartet…!
Wahrscheinlich zwischen 12. Und 16. Februar.
Am 2. Februar wurde das Schiff bereits in Bremerhaven gesichtet…!

Die Vorgeschichte beginnt mit dem grausamen Krieg im Jemen, der als typischer Stellvertreterkrieg der USA und Saudi Arabiens gegen die Schiiten, ihre Rebellengruppen, und den Iran geführt wird, ähnlich wie in Syrien.
Er begann 2015 mit Luftangriffen und einer Seeblockade, der die vielen Hungertoten, vor allem Kinder, zu verschulden sind.
Auf der Seite der Westmächte, agieren die USA, Briten und Franzosen, sowie IS-Truppen und Al-Kaida. Vor allem mit ihrer blutrünstigen Kriegslogistik und ständigen Drohnenangriffen, unterstützen die Westmächte, die Allianz der sunnitischen Öl-Regime, wie die Ver.arab.Emirate, Katar, Kuwait, Jordanien, Marokkos, Sudans, Ägyptens, Bahrains, Senegals, und allen voran, natürlich Saudi Arabien. Bisher hat der Krieg, der unter dem Namen „Sturm der Entschlossenheit“ begann, 230 000 Menschenleben gefordert. Die UNO hat mehrmals eine humanitäre Katastrophe ausgerufen, vor allem für die Zivilbevölkerung des Jemen.

Gleichzeitig füllt das die Kassen der Waffenproduzenten. Nicht zu vergessen die dazugehörige Logistik wie Transport und Hafenterminalbetreiber.
Seit dem EU-Privatisierungszwang und den daraus resultierenden Zumutungen und Qualitäts- Einbußen für Mensch und Umwelt, dem Herunterwirtschaften ganzer Arbeitsbereiche, müssen die Dockarbeiter um ihre Arbeitsplätze fürchten, in Konkurrenz zu Digitalisierung und Automatisierung, werden ihnen ihre Löhne nicht rechtzeitig ausbezahlt, oder gar nicht, während die Terminalbetreiber mit Milliarden aus öffentlichen Mitteln subventioniert, sich auch noch mit dem blutigen Waffenhandel, eine goldene Nase verdienen wollen.
Auch die großen Reedereien, sind steuerbefreit und von der EU hochsubventioniert.

Der Bahri-Konzern wurde 1978 vom saudischen König, als Aktiengesellschaft gegründet, zu Anteilen des Staates sowie der Saudi-Aramco, (also dem US-saudischen ÖL Konzern).
Seine Hauptbereiche gliedern sich in: Öl, Chemie, Massengut, Logistik und Schiffsmanagement.
Inzwischen ist Bahri der weltweit größte Besitzer von VLCC ́s, den berüchtigten „Very Large Crude Carriers“, sowie der größte Besitzer von Chemikalientankschiffen im Nahen Osten.

Inzwischen hat das Unternehmen mit dem französischen Konzern „Bollore Group“ ein Joint Venture gebildet, und hat im ersten Halbjahr 2019, 840 Millionen Dollar Gewinn gemacht.
Das Unternehmen besitzt 88 Schiffe, davon 42 VLCC ́s und Massengutfrachter.
Diese 225 Meter langen, und 14 Meter hohen Schiffe, sind in der Lage, von Panzern über Transporthubschrauber und Flugzeuge, Drohnen und Sprengstoffcontainer, alles zu transportieren, was die Kriegslogistik erfordert.

Oft sind die Waffen auch zerlegt, um allfällige Probleme mit Behörden zu vermeiden.
Angeblich ist es legal, wenn Waffen nicht mit Explosivstoffen befüllt sind, jedoch haben auch die Staaten kein großes Interesse an Pressemeldungen, die ihre eigene Verstrickung in den internationalen Waffenhandel offenlegen.

Deshalb wird mit den Bahri-Waffentransporten oft ein „Katz und Maus Spiel“ unternommen.
Proforma haben die italienischen Behörden, Erdogans Geisterschiff „Bahri-Bana“, beladen mit Kriegsgerät für den Lybienkrieg, halbherzig untersucht, während die Fracht der „Bahri-Abha“, da für den Jemen Krieg der Saudis bestimmt, im Dezember 2019 von einem Polizeiaufgebot geschützt wurde. Die Bahri Flotte lieferte vermutlich auch Kriegsgerät für Erdogans Angriffskrieg gegen Rojava, so wurde die „Bahri Hofuf“ kurz vor dem Angriff auf Rojava, beim Anlegen in Iskenderum, gesichtet.

Alles begann 2016, im polnischen Danzig, mit der Sichtung der Beladung von Radpanzern der finnischen Firma „Patria“, für die Verein.arab.Emirate. Damals liefen die Bahri Frachter sogar im Hafen von Aden im Jemen ein, um ihre Kriegslast zu entladen.

Am 9.3.2018 wurde die „Bahri-Hofuf“ wegen Protesten in Bilbao, nach Santander umgeleitet, um dort beladen zu werden.
Schon im Dezember 2018 protestierten Arbeiterinnen im kanadischen Hafen St.John, gegen die Beladung der „Bahri Yanbu“, mit Radpanzern des Waffenkonzerns „General Dynamics“, sowie an der Ostküste der USA, mit Panzerfahrzeugen der US Firma „Navistar“.

Am 13. Mai 2019, musste die „Bahri Yanbu“ auch den Hafen von Santander leer verlassen, und auch in Le Havre und Marseille, blockierten die Docker und Aktivisten, dank der Mobilisierungen, die Verladung erfolgreich. In Le Havre sollten deutsche Unimog Fahrgestelle für die Cäsar-Haubitzen, der US Firma „Nexter“ geladen werden. „Nexter“ hatte ja mit dem deutschen Waffenkonzern, „Krauss-Maffei“ fusioniert. Davor hatte die „Yanbu“ Waffen der Firma „FN- Herstal“, aus Lüttich an Bord genommen.
Am 20.Mai, blockierten die genuesischen Docker dann die Beladung des Schiffes mit Elektrogeneratoren. Diese sollen der Stationierung von Drohnen Einheiten dienen.
Etwas später wollte dann ein anderes Schiff, die „Bahri-Tabuk“, Munition der Firma „Eurenco“, in Marseille, gedacht für die Cäsar Haubitzen, aufladen. Die Docker mobilisierten, aber der Bahri-Konzern stritt alles ab, und entschied sich kurzerhand um, und belud das Schiff mit Siemens-Generatoren. Nachdem die „Bahri-Tabuk“ aus Marseille auslief, änderte sie auf einmal den Kurs, und stoppte im sardischen Hafen Cagliari …

Am 31.5.2019 lud sie hier Container voller Bomben auf. Diese Bomben werden im sardischen Ort Domusnovas produziert, von der Rheinmetall-Tochterfirma „RWM- Italia“, sie werden im Jemen Krieg eingesetzt.
Am 5. Juni 2019, nach dem scheinheiligen Waffenembargo Deutschlands gegen Saudi Arabien, das nur bis September wirken sollte, legte die „Bahri-Jazan“wieder in St.John an, um Radpanzer zu laden.
Wahrscheinlich dieselben, die am 13.Dezember 2019, durch die Carabinieri, im Hafen Genuas, beschützt wurden.
Am 15.Juni 2019, sollte die „Bahri-Jazan“, dann in Bremerhaven einlaufen, doch es änderte mitten im Atlantik seine Fahrtrichtung, und wollte für den 17. Juni 2019, stattdessen in Genua einlaufen.
Die Docker blockierten die Beladung erfolgreich, und das Schiff musste auch Bilbao wieder verlassen.

Die genannten Schiffe gehören zu einer Teil-Flotte des Bahri Konzerns, und bestehen aus 6 Schiffen, die regelmäßig Genua befahren, und zwischen Amerika, Europa und dem Nahen Osten, verkehren.
Vielleicht meinte Abdullah Aldubaiki, der CEO von Bahri, genau diese Schwierigkeit des „Katz und Maus- Spieles“, als er anlässlich der Preisverleihung des britischen „Maritime Standard Awards“, am 21.Oktober 2019, in Dubai, mit gleich 3 Preisen, darunter dem „Ship Manager oft he Year“, ausgezeichnet wurde, folgendes sagte :
„…trotz all dieser Herausforderungen, setzt Bahri seine Bemühungen fort,…,
sich an die neuen Entwicklungen undVeränderungen in der maritimen Industrie anzupassen, und das Interesse der Aktionäre (…) aufrechtzuerhalten…“

Die geächteten Streubomben werden ebenfalls im Jemenkrieg eingesetzt, US Firmen, aber auch französische, holländische, britische, kanadische und italienische Firmen, verdienen am Morden! Auch Österreichische!
Zum Beispiel der Einsatz der lasergelenkten US Rakete „GBU-24 Paveway III“-Bombe, wird international kritisiert.
Italien setzt jährlich einen Waffenexport um 2,5 Milliarden Euro um, Firmen wie „Leonardo“(Torpedos), „IDS“(Drohnen), oder der Satelliten und Kriegslogistikkonzern „Teknel“, verdienen mit dem großen Abschlachten von Menschen.
Und das EU subventioniert. Die internationalen Häfen und ihre privatisierten Terminals spielen dabei eine große Rolle. Auch im Hafen von Livorno, halten jeden Monat Schiffe von „Liberty Global Logistics“, die im Auftrag der USA, Militärfahrzeuge, der US-Basis „Camp Darby“, in den Nahen Osten, und nach Afrika, transportieren. Auch das bei Pisa stationierte Gladio-Fallschirmjägerkommando, „COMFOSE“, wird über diesen Hafen regelmäßig zu Kriegseinsätzen, ausgeschifft.
Typisch auch die Toyota- Pick Ups, die massenhaft in den Nahen Osten transportiert werden, als mobile Geschützbasis, unter anderem für den „Islamischen Staat“.

Die Österreichische Drohnen Firma „Schiebel“, hat ebenfalls nachweislich am Massaker im Jemen verdient:
Eine Drohne der Bauart „Camcopter S-100“, wurde beispielsweise von den Huthi Rebellen abgeschossen.
Auch das Steyer/ Mannlicher Sturmgewehr AUG, wird von den Saudis im Jemen eingesetzt!
Jedenfalls sind die Docker von der CALP diesmal besser vorbereitet, als im Dezember 2019, und sind fest entschlossen, diese Todesfracht zu boykottieren!

Der Widerstand der Docker hat in Genua eine lange Tradition.
So wurden schon Waffenlieferungen nach Vietnam, in den Irak, sowie an die Pinochet Diktatur nach Chile, erfolgreich verhindert!
Schon 1960 lieferten sie sich Straßenschlachten mit den Carabinieri, die die Faschisten, bei der Abhaltung ihres Parteikongresses natürlich beschützten.
Zahlreiche Arbeiter wurden damals erschossen.

Zusammen mit den französischen, spanischen und baskischen Dockern, bilden sie ein Bollwerk gegen die konservativen, sozialdemokratischen und quasi-faschistischen Parteien Europas, die allesamt Waffenhandel und Krieg unterstützen, und das Wohl der Konzerne, hegen und pflegen, entgegen ihren heuchlerischen EU-Friedensbeteuerungen.

Natürlich unterstützen sie insbesondere die Öl und Stellvertreterkriege von mörderischen Regimen wie Saudi Arabien, dem Apartheitsregime Israel, sowie dem Erdogan Regime, und dem IS, im Globalen Wirtschaftsinteresse der westlichen Mächte.
Auch die russischen, chinesischen und iranischen Regime, ermorden, unterdrücken, und beuten die Bevölkerungen aus, im Wettlauf um Macht und Profit…! NIEDER MIT STAAT, PATRIARCHAT UND KAPITAL,….ÜBERALL!!!

Wir aber schreien es laut:

… Nur Mut Italienische Genossen,
Respekt für euch, vorwärts im Kampf gegen Staat, Patriarchat und Kapital!
Hoch die internationale Solidarität, Carlo VIVE !
Es lebe der herrschaftslose Sozialismus – es lebe die Anarchie!
Der Kampf geht weiter! Krieg dem Krieg!

AKW – WAS/ Anarchokommunistischer Widerstand – Wiener Arbeiterinnen Syndikat

Redebeitrag als Flugzettel (PDF zum Runterladen)

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