wiener arbeiter*innen syndikat

Endlich konsequent werden – Facebook löschen!

In Überwachung, Diskussion, Informationstechnik on Oktober 28, 2018 at 1:50 am

Wir haben uns schon vor längerer Zeit entschieden, den WAS-Facebook-Account zu löschen. Nun ist es soweit. Die Gründe sollten eigentlich hinlänglich bekannt sein. Trotzdem werden wir die Wichtigsten nochmals niederschreiben:

-) Kapitalinteressen, keine Infrastruktur

Facebook ist eine Firma mit kapitalistischen Interessen. Das ist jetzt an sich noch nichts Verwunderliches. Aber wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen: Nichts was sie tun ist in unserem Sinne – im Sinne von uns ArbeiterInnen. Ganz im Gegenteil, wir – also unsere Daten und Zusammenhänge – stellen das Produkt dar. Nach all der Kritik, die schon seit Jahren an Facebook geäußert wird, ist es unhaltbar, daß wir euch durch unseren „Content“, also durch unsere syndikalistische Information, dazu bringen, daß eure Profile verfeinert werden und ihr noch genauer durch Konzerne beeinflussbar werdet.

Auch wichtig ist, immer wieder den Unterschied zwischen Protokollen an sich (mail, http, …), die jeder Mensch nutzen kann, und Firmen mit geschlossenen Systemen, hinzuweisen. Dieses Wissen scheint immer mehr in den Hintergrund zu rücken.

-) Die Überwachung

Sie stellt eines der größten Probleme an zentralen „Sozialen Netzwerken“ dar. Dabei geht es nicht nur darum, daß per Cookies am Smartphone usw. sämtliche (Online-)Aktivitäten mitgetrackt werden, sondern vielmehr darum, daß mit den Synchronisationstools sämtliche vorhandenen (Offline-) Kontakte, Telefonnummer usw. von allen Menschen hochgeladen werden! Damit sind verdammt viele Zusammenhänge ersichtlich. Von Zugriffen auf Kameras und Mikros oder Standortdaten, also kompletten Bewegungsprofilen, mal ganz zu schweigen. Und dies nicht nur für Facebook, sondern auch für viele viele Behörden, die meist sämtliche angeforderten Daten von Facebook erhalten. Insofern sehen wir es mittlerweile als unsere Plicht, euch davor zu schützen, daß alle wissen, daß ihr an Anarchosyndikalismus interessiert seid.

-) Nachrichten und Inhaltskontrolle durch einen Konzern

Seit langem ist bekannt, daß der Content bei Facebook durch den Konzern gefiltert wird. Unliebsame Inhalte werden in der Timeline nach hinten gerückt oder sogar komplett gelöscht. Es ist nur eine Frage der Zeit – und sobald unsere Aktivitäten gesellschaftlich relevante Dimensionen erreichen werden, würden auch unsere Informationen spät erscheinen, gelöscht oder gar der Account gesperrt werden. In so eine Abhängigkeit wollen wir uns nicht begeben! „Nachrichten“ werden durch mannigfaltige Algorithmen beeinflusst und an die Werbeprofile angepasst. Ziel ist nicht die umfassende Information oder zumindest deren Zugänglichkeit, sondern eine möglichst lange Verweildauer auf Facebook und Kreierung besserer „Werbeempfänger“. Ihr sollt nicht das wissen, was ihr wollt, sondern das, was der Konzern will. Auf der anderen Seite werden dadurch auch die berüchtigten Blasen geschaffen und verstärkt. Die Meinungen werden plumper und schaukeln sich auf. Die Massen an faschistischen Postings, die wir auf Facebook nur alle allzu gut kennen, sprechen Bände. Jedenfalls ist das was ihr zu sehen bekommt, immer das, was die „Mehrheit“ interessiert, zumindest was der Algorithmus in eurer Blase dafür hält.

-) Das antisoziale Netzwerk

Facebook ist kein Tool, um „in Kontakt zu bleiben“, sondern ganz im Gegenteil, es ist ein Werkzeug, um sich keine Gedanken mehr machen zu müssen, mit wem man kommunizieren möchte, sondern um die „Nachrichten“ komplett entsozialisiert hinauszuschleudern, ohne den Kreis der RezipientInnen bedenken zu müssen! Also ein Werkzeug, um Informationen kontaktfrei verbreiten zu können. Ganz im Sinne der aus der US-Mainstreamgesellschaft kommenden maximalen Entsolidarisierung, ist die unpersönliche Präsentation des Handelns wichtiger als echtes (also soziales) Handeln. Tatsächlich jedoch hat Facebook die letzten Jahre für uns als Syndikat keinerlei reale Relevanz gehabt. Im Gegenteil, wir haben den Eindruck, daß die Like-Buttons sogar als individuelle Ausrede herhalten müssen, daß „eh was getan wurde“, braucht dann ja niemand mehr wirklich seinen Hintern hinausbewegen und vielleicht sogar mit echten Menschen reden und sich treffen. 😉

-) Und nicht zuletzt, ob ihrs glaubt oder nicht, wir hatten bis vor kurzem nur ein einziges Mitglied, daß überhaupt Facebook nutzt (Danke an dieses Mitglied für die jahrelange Arbeit, den Account mit Inhalten zu füllen und zu betreuen). Für den überwiegenden Großteil unserer Gewerkschaftsmitglieder spielt Facebook keinerlei Rolle. Daher ist die imaginierte „Angst“, daß man etwas versäumen könnten, nicht gegeben für uns.

Wer weitergehende Informationen zur Kritik an Facebook braucht, kann mit dem deutschen Wikipedia-Artikel beginnen. Ein informatives Buch für Menschen, die schon sehr tief drinnen stecken im „Sozial-Media-Gebrauch“, ist „Facebook entkommen“ von transversal.at. Wer es gruselig mag, sollte den Artikel des Stanford-Psychologen Michal Kosinski „Ich habe nur gezeigt, daß es die Bombe gibt“ lesen. Einen guten Überblick zum „Cambridge Analytica-Skandal“ gibt es auf netzpolitik.org. Eine wirklich hoch empfehlenswerte und sehr aktuelle Broschüre zur gesamten Thematik ist „DISRUPT! – Widerstand gegen den technologischen Angriff“.

In diesem Sinne hoffen wir, daß möglichst viele Menschen unserem Beispiel folgen werden und Viele beginnen, unabhängige Alternativen aufzubauen oder zumindest zu nutzen. Jedenfalls in Realität etwas zu tun. Vielleicht kommt ihr ja auch ′mal tatsächlich bei uns vorbei! Sichert euch jedenfalls unsere Homepage und unsere Daten:

Internet: https://wiensyndikat.wordpress.com
Email: wien.syndikat@riseup.net
Newsletter: sag uns Bescheid, wenn Du unseren Newsletter (per Email) bekommen möchtest
Tel.: 0664/874 34 34
Postanschrift: WAS, Stiftgasse 8, 1070 Wien, Österreich

Offene Treffen:
jeden ersten Samstag im Monat, 19 bis 21 Uhr
Ort: Druckraum, 16. Bezirk, Redtenbachergasse 3/Souterrain (eigener Eingang von der Straße aus)

Die WAS-Facebook-Seiten werden, sobald es möglich ist, endgültig gelöscht und nicht mehr zugänglich sein. Daß Facebook die bereits vorhandenen Daten natürlich weiterhin nutzt und gegebenenfalls auch an Behörden weitergibt, können wir leider nicht mehr ändern.

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