wiener arbeiter*innen syndikat

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Von der Arbeiter*in zur Kapitalist*in – und plötzlich arm

In Arbeitsrecht on September 30, 2018 at 5:42 pm

Seit 2003 gibt es in Österreich eine verpflichtende Einrichtung im Sozialversicherungsrecht, die aus allen Arbeitenden kleine Kapitalist*innen macht, die „Abfertigung neu“. Seitdem werden laufend Beträge (1,53% des Lohns) in eine kapitalbasierte soziale Absicherung eingezahlt. Inzwischen sind es mehr als 10 Milliarden Euro, die am Kapitalmarkt angelegt werden, Tendenz steigend. Das WAS erklärt, was Dein Geld dort macht und wie Du es da wieder raus bekommst.

Die Idee der Regierung oder ihrer Berater*innen war: Wenn jedes Jahr zusätzlich 1,53% des Bruttoentgelts beiseite gelegt werden, um verzinst veranlagt zu werden, dann hat jede*r Arbeitende am Ende des Arbeitslebens ein Jahresgehalt zusätzlich. Mussten ab 1979 die Firmen bei Beendigung jedes längeren Arbeitsverhältnisses einmalig in die Tasche greifen und eine Abfertigung auszahlen, geht das jetzt also Monat für Monat in Stückerl.

Quelle: wikimedia.org

Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Dein Geld kann das. Quelle: wikimedia.org

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Erste Drecksbude verordnet flächendeckend 12-Stunden-Tage

In Arbeitsrecht, Arbeitszeit on September 25, 2018 at 1:18 am

Aus dem Umfeld des WAS ist uns ein erster Fall von großangelegten 12-Stunden-Tagen zu Ohren gekommen. Ein Wiener Unternehmen aus dem Großcatering-Bereich (Name ist dem WAS bekannt) verordnet nun generell 12-Stunden-Schichten. Dabei wurden sogar nocheinmal die neuen Gesetze zum 12-Stunden-Tag überschießend ignoriert. Es werden nämlich keine Überstunden angeordnet, sondern in den neuen Dienstplänen finden sich leise, still und heimlich einfach zwölf Stunden eingetragen. Noch perfider ist, daß das Unternehmen dabei auf den Trick zurückgreift, einfach zwei 6-Stunden-Schichten oder alternativ eine 8- plus eine 4-Stunden-Schicht hintereinander „anzubieten“, sprich einzutragen, statt einer 12-Stunden-Schicht, um die es sich ja handelt. Eine Möglichkeit zum „Einspruch“ oder Freiwilligkeit bezüglich der Tagesarbeitszeit gibt es natürlich nicht. Grundsätzlich zwölf Stunden pro Tag arbeiten oder gar nicht ist die Devise! Eine Mitsprache bei den Dienstplänen ist in dieser Firma nicht vorgesehen. Die Propaganda der Regierung, daß eh alles freiwillig sei, ist damit Lügen gestraft! Was gemacht werden darf, wird auch gemacht! Und oft, wie in diesem Fall, sogar gesetzeswidrig noch mehr.

Die spezielle Firma ist schon früher öfter mit halb-legalem Vorgehen aufgefallen. Als aktuelles Beispiel: Sie zwingt ihre MitarbeiterInnen, die generell nur 20-Stunden-Dienstverhältnisse haben, dazu, Überstunden geblockt abzubauen. Hat wer 40 Stunden angesammelt, so gibt es im folgenden Monat keine Arbeit, da ja die 40 Stunden abgebaut Den Rest des Beitrags lesen »

Arbeitszeitverkürzung statt 12-Stunden-Tag

In Arbeitsrecht, Arbeitszeit on September 8, 2018 at 10:26 pm

Die rechte Regierung bläst zum Angriff auf Errungenschaften der Arbeiter*innenbewegung und legt damit offen, daß Arbeiter*innen für sie in erster Linie blödes Stimmvieh sind, das jeder Zeit für Macht- und Profitinteressen geopfert werden kann.

Mit dem neuen Gesetz, das noch knapp vor der Sommerpause – ohne Begutachtung durch die „Sozialpartner“ – durchs Parlament gedrückt wurde, ist es den Chefitäten ab dem 1. 9. 2018 erlaubt, 12-Stunden-Tage zu verordnen. Noch schlimmer ist aber, daß diese Überstunden nicht nur vereinzelt möglich sein sollen, sondern mehrere Wochen (bis zu 17 mal) hintereinander eine 60-Stunden-Woche angeschafft werden kann. Was gesetzlich möglich ist, werden Chef*innen, wenn sie´s brauchen, auch verlangen. Und sie werden oft genug auch darüber hinaus gehen.

Das alles legalisiert einerseits bis jetzt illegale Zustände am Bau, im Einzelhandel, in der Gastronomie oder in der Erntearbeit, andererseits wird es bei Industriebetrieben Umstrukturierungen in den Schichten geben, damit „Auftragsspitzen“ bequemer mit einer kleineren Stammbelegschaft abgefangen werden können. Die Rekordarbeitslosigkeit wird weiter steigen und Arbeitslose bald jeden Job annehmen müssen. Und so unfreiwillig Druck auf jene ausüben, die sich krummhackeln und nunmehr einen 60-Stunden-Job haben. Die/ der Arbeiter*in soll denken, jederzeit ersetzbar und einsparbar zu sein – durch Arbeitslose oder eine Maschine Den Rest des Beitrags lesen »