wiener arbeiter*innen syndikat

12 Stunden arbeiten? In der Woche!

In Arbeitszeit on April 7, 2014 at 8:38 am

25h-clockEs ist nicht einmal ein Jahr her, dass der Sozialminister erklärte, es müsse darum gehen „Überstunden abzubauen und nicht durch 12-stündige Arbeitstage noch zu erhöhen.“  Mittlerweile darf es niemanden überraschen, dass die SPÖ wieder kurz davorsteht vor dem Koalitionspartner einzuknicken. Mit ein paar Spiegelfechtereien wird zwar noch um „Gegenleistungen“ gefeilscht, die aber weniger Nutzen für die Allgemeinheit der Werktätigen bringen würden, als vielmehr verdeutlichen wie weit der Wahnsinn der Arbeitskraftausbeutung schon längst fortgeschritten ist.

„Einem generellen 12 Stunden Arbeitstag, erteilt der Vorstand der Bundesarbeitskammer eine klare Absage“, (arbeiterkammer.at) tönt es aus der AK kämpferisch. Ein semantisches Kunststück. Der Satz könnte ja auch lauten: „Einem 12 Stunden Arbeitstag erteilt der Vorstand der Bundesarbeitskammer eine generelle Absage.“

12-stunden-arbeitstagOffensichtlich sind sich die Regierungspartner schon längst einig geworden, dass der 12 Stunden-Tag in kleinen Dosen eingeführt werden wird. Die Frage ist eigentlich nur das Tempo und die konkrete Regelung desselbigen.
Richtiger Weise wird im Regierungsprogramm bemerkt, dass es bereits schon jetzt „zahlreiche Betriebsvereinbarungen (gibt), nach denen bereits zwölf Stunden am Tag gearbeitet wird, in manchen Fällen auch 13 Stunden. Nun geht es um die Ausweitung der zwölf Stunden auf Gleitzeit und auf Reisetätigkeiten.“ Nach dem Motto: 12 Stunden Tag ist eh schon Praxis, also eh schon wurscht.
Und tatsächlich: bei Schichtarbeit, bei Arbeitsbereitschaft, Überstunden bei besonderem Arbeitsbedarf, Überstunden bei Vier-Tage-Woche, Überstunden für Vor- und Abschlussarbeiten ist schon jetzt die Überschreitung der Maximalarbeitszeit von 10 Stunden möglich. Das betrifft nicht nur vergleichsweise weniger strapaziöse Tätigkeiten sondern gerade auch gefährliche industrielle Arbeiten oder solche die mit sehr hoher Verantwortung für den/die ArbeiterIn verbunden sind (Eisenbahn z.B.).

Und was geht, wird auch gemacht. Vorgesetzte verlangen natürlich von ArbeiterInnen Überstunden zu machen, wenn´s ihnen notwendig erscheint. Familie hin, Erholung her. Viele Dienstpläne beinhalten schon von Haus aus eine Vielzahl von „Mehrstunden“, d.h. Arbeitstage die länger als 8 Stunden dauern, ohne das die Zeitüberschreitung mit den üblichen Überstundenzuschlägen abgegolten werden.

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Weil Grundgehalt und etwaige Mehrstunden aber nicht gut genug bezahlt werden, finden sich natürlich auch immer wieder ArbeiterInnen, die zum Überstunden-„Kratzen“  „freiwillig“ bereit sind. „Versichert wird von Regierungsseite, dass sich die geplanten Änderungen nicht negativ auf die Zuschläge auswirken.“ Wie schön. Dass gerade in Zeiten von steter Intensivierung der Arbeitsprozesse, steigender Produktivität, sinkender Reallöhne und wachsender Arbeitslosigkeit vielleicht mal wieder in die andere Richtung gegangen werden könnte ist wohl mit einem Denkverbot belegt. Werden die Löhne für die vereinbarte Arbeitszeit erhöht würde der Überstundenpandemie schnell Einhalt geboten werden. Wie erklärt der Sozialminister seine Politik angesichts der immer größer werdenden Masse von Arbeitslosen und der Ultraprekarisierung in„neugeschaffenen“ Jobs bzw. der Burn-Out-Normalität derer, die noch in „Normalarbeitszeit“-Verhältnissen arbeiten dürfen oder müssen?

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Ach ja, „All-in-Verträge“, also Arbeitsverhältnisse, bei denen gewisse Mehrdienstleistungen in pauschalierter Form abgegolten werden, sind nämlich schon erlaubt! Ohne nennenswerten Widerstand von ÖGB und SPÖ eingeführt sollen diese jetzt ein wenig klarer geregelt werden.
Kurz geisterte zudem ein „Missverständnis“ durch die Medien, die SPÖ und ihr Anhängsel ÖGB würden im Gegenzug zum 12 Stunden-Tag eine 6.Urlaubswoche verlangen. Nein, nicht zu früh freuen, so war das gar nicht gemeint: Wer 25 Jahre gearbeitet hat soll auch dann in den Genuss des bereits bestehenden Rechts auf die 6.Urlaubswoche im Jahr kommen, auch wenn sie oder er für verschiedene Firmen gearbeitet hat. Ein schwacher Trost angesichts der schon als beschlossen zu betrachtenden Erhöhung des Pensionsantrittsalters. (DER STANDARD, 3.4.2014)

Es nützt ganz offensichtlich nichts auf die Selbsterhaltungsintelligenz der Sozialdemokratie zu hoffen, wir, die ArbeiterInnen werden es selbst machen müssen: Für höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten kämpfen. Mit allen Mitteln der Arbeitskampfs, die uns zur Verfügung stehen.
„Geht sich rechnerisch nicht aus“ antworten die „Wissenschafter“ und Gralshüter des Kapitalismus „die Profitraten der Kapitalisten müssen hoch bleiben, wir haben Krise, die Pensionskassen sind leer, die Staaten bald pleite.“
Na dann. Wenn das alles war, was ihr zu bieten habt: Tschüss Kapitalismus und Staat!

mi6

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