wiener arbeiter*innen syndikat

Voll eingeknickt: Wie der ÖGB Streiks verliert – und noch viel mehr

In ArbeiterInnenkämpfe Ö on Februar 11, 2014 at 12:12 pm

Bis vor kurzem durfte zumindest bei Aussenstehenden angesichts des KBA-Mödling-Streiks die Hoffnung aufkeimen, es könnte in Österreich nach Jahren wieder einmal ein erfolgreicher Arbeitskampf geführt werden. Die Belegschaft schien bereit, die Bevölkerung hat sich solidarisiert und die Zentralgewerkschaft hat den Arbeitskampf zumindest formal unterstützt. Sogar die Medien, außer die ideologisch besonders tendenziösen, legten eine gewisse Sympathie für die Streikenden an den Tag.

Mit höchst plumpen juristischen Drohungen seitens der Geschäftsführung wurde versucht Panik bei den Betroffenen zu erzeugen. Doch anstatt hier klipp und klar zu sagen: Jetzt geht´s um die Wurscht. Laßt uns die Streiks ausweiten, laßt uns auf´s ganze gehen. Sie schüchtern uns ein, dann legen wir nach: Es gibt ja auch noch die Möglichkeit einer Betriebsbesetzung, Solidaritätsstreiks oder Blockaden anderer Tochterunternehmen, der aktiven Solidaritätssammlung für die Streikenden in der Bevölkerung, wir versuchen bei den deutschen KollegInnen zu mobilisieren… Der Angst kann nur mit Mut begegnet werden.

Statt all dem kommt von der Zentralgewerkschaft: Klein beigeben. Verhandeln statt Handeln. Ist ja nix passiert, wir werden wieder brav sein, damit die Kollegen von der Wirtschaft nicht mehr böse auf uns sind.

Die PRO-GE rühmt sich nun mit einer erreichten Streikklausel „im gestern abend paktierten Verhandlungspapier: Die Beschäftigten haben es Schwarz auf Weiß, dass ihnen aus ihrer Teilnahme an den Streiks keine Nachteile entstehen und dass ihnen für diese Zeit eine Entgeltfortzahlung zusteht. Das war uns nach der Ankündigung der Geschäftsführung über etwaige Konsequenzen besonders wichtig“. 385 MitarbeiterInnen wird das wenig nützen, weil sie ihre Arbeit dank der Vereinbarung zwischen Geschäftsführung und Zentralgewerkschaften verlieren werden.
Erklärung der PRO-GE

Über Monate wurde ein Streik hinausgezögert, so wichtige Zeit im Kampf (und auch den Verhandlungen) verloren. Dann doch gemacht und dann rechtzeitig bevor er erfolgreich werden könnte abgebrochen.

Halten wir fürs erste fest:

– Der Abbau von 385 MitarbeiterInnen (statt 460) ist für den ÖGB ein akzeptabler Kompromiss.

– Streiks werden vom ÖGB möglichst lange verhindert, und wenn sie doch einmal geführt werden müssen, dann so, dass sie möglichst wenig „Schaden“ anrichten. Schaden für die Kapitalisten wohlgemerkt. Das Geschäft muss um (fast) jeden Preis weiterlaufen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen haben ihn sicher, den Schaden.

– Die Initiative wird den betroffenen ArbeiterInnen möglichst schnell entzogen. „Verhandlungen“ ist das Zauberwort, wohlweislich durch bezahlte Funktionäre geführte, nicht durch die betroffenen ArbeiterInnen selbst.

– Arbeitskämpfe werden nur noch geführt, um das Schlimmste zu verhindern, oder ein wenig „abzufedern“. Offensive Forderungen nach einer tatsächlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit, Entlohnungen etc. werden nicht mehr gestellt.

Lieber gleich verlieren, als die ArbeiterInnen herausfinden zu lassen, wie es sich anfühlt einmal zu gewinnen. Mit jeder dieser Niederlagen fahren die Funktionäre den sozialdemokratisch-zentralgewerkschaftlichen Karren selbst näher an den Abgrund. Die Kapitalisten lachen sich krumm über die „Gegenwehr“ beim immer rücksichtsloseren Ausquetschen und Wegwerfen der Arbeitskraft. Die rechten Dumm-Macher von FPÖ und Co. lachen sich ins Fäustchen: Statt Widerstand gibt´s dann halt wieder Vaterland für den Arbeiter. Damit die ArbeiterInnenklasse in diesem Land noch viele Jahrzehnte im Wach-Koma verharrt? Wir lachen nicht mehr. Zurück bleibt viel, viel Wut.

Die Strategie der Bosse: Einschüchterung. Die Strategie der Zentralgewerkschaftsfunktionäre:  Den Arbeitern und ArbeiterInnen das Heft aus der Hand nehmen.
Unsere Strategie: Wilde Streiks! Kämpferische Basisgewerkschaften statt Verantwortung an Funktionäre delegieren! Aus der Scheiße können wir uns selber ziehen!

Labournet.de

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